Sind wir individuell für die Klimakatastrophe mitverantwortlich? Ja, natürlich!

CO2-Fußabdruck und British Petrol

Vielleicht bin ich merkwürdig. Anders als alle anderen. Die Klimabewegung sagt seit einigen Jahren, die Ölkonzerne (konkret British Petrol) hätten sich die Sache mit dem individuellen CO2-Abdruck ausgedacht, um uns von den eigentlich wichtigen Sachen abzulenken. So gibt es zum Beispiel das folgende Video von Funk (Angebot von ARD und ZDF für 14-29jährige):

Das Video ist insgesamt gut, schaut es Euch an.

Für mich macht die Argumentation, wie man sie oft findet, jedoch keinen Sinn. Alle weisen darauf hin, dass man seinen CO2-Impakt nur begrenzt reduzieren könne und dass es doch besser sei, gegen die Energiekonzerne vorzugehen, die für den Teil verantwortlich sind, den wir selbst nicht beeinflussen können.

CO2-Fußabdruck: Was sagt er uns und ist er nützlich?

Ich habe schon einige Jahre den CO2-Rechner vom Umweltbundesamt benutzt und halte ihn für ein hervorragendes Werkzeug zur Veranschaulichung der Folgen des eigenen Handelns. Dabei ist klar, dass wir bestimmte Komponenten nicht komplett kontrollieren können. Wir benutzen einen bestimmten Anteil von Infrastruktur, der vom Staat für alle Bürger*innen gestellt wird und welche Art Energie diese benutzt bzw. wie effizient Gebäude gedämmt sind, können wir nicht direkt beeinflussen. Ob wir fliegen oder Auto fahren, wie wir Urlaub machen, können wir dagegen sehr wohl beeinflussen. Auch unsere Ernährung haben wir zu einem großen Teil unter Kontrolle. Der durchschnittliche CO2-Fußabdruck in Deutschland lag 2018 bei 11,6t. Meiner bei 5,69t. Man kann also durch bewusste Entscheidungen seinen CO2-Abdruck fast halbieren.

Individueller CO2-Ausstoß in Deutschland nach CO2-Rechner des Bundesumweltamts, 2022

Die Abbildung zeigt die Bereiche, die wir zum Teil selbst beeinflussen können. Wohnen & Strom, Mobilität, Ernährung, Konsum. Bei mir sieht das so aus, dass ich in einem Passivhaus wohne (Heizung bleibt aus, in Kälteperioden wird es bis zu 19°, dann Pullover), Rad und Bahn fahre, nie fliege und außer Fotokram und gelegentlich Anziehsachen praktisch nichts konsumiere.

Wenn wir den Abdruck von Deutschland mal eben halbiert hätten, wären wir schon großartig. Und wenn nur ganz schnell ein Drittel weg wäre, wäre das auch schon gut. Nicht jede/jeder kann alles, aber alle können vieles.

Ich ärgere mich schon lange über Artikel über den CO2-Fußabdruckrechner. Auslöser für diesen Post war ein Artikel im Freitag, der von Klimaakativist*innen geteilt und gutgeheißen wurde: Wer rettet das Klima: Ich oder wir? Katharina Mau fragt:

Wäre der Klimawandel wirklich gestoppt, wenn nur alle Menschen auf Plastiktüten verzichten und auf Ökostrom umsteigen würden? Wie groß ist der Spielraum des individuellen Handelns? Und wo muss der Staat ran, und die Politik, um systemische Veränderungen anzustoßen?

Katharina Mau weist darauf hin, dass den größten Teil des CO2-Ausstoßes der Energiesektor zu verantworten hat und dass unser individueller Umstieg das Problem nicht komplett löst, weil verschiedene Industriezweige auf eben jene fossile Energie zurückgreifen. Da wir entsprechende Produkte kaufen, haben wir immer noch einen Anteil an diesem Ausstoß.

Selbst dann wären Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen immer noch für drei Viertel des Stromverbrauchs verantwortlich. Vor allem muss sich also das System ganz grundsätzlich ändern.

Sie fährt fort:

Denn was noch dazukommt: Unser Stromverbrauch wird in Zukunft steigen. Autos sollen elektrisch fahren, Wärmepumpen unsere Häuser heizen, und grüner Wasserstoff, hergestellt mit Erneuerbaren, soll als Brennstoff für die Industrie bereitstehen. Der Think-Tank Agora Energiewende prognostiziert, dass sich der Stromverbrauch bis 2045 verdoppeln wird.

Was in Artikeln wie dem vom Freitag immer wieder passiert, ist, dass diverse schwarze Peter hin und hergeschoben werden. Industrie und Handel und Dienstleistungen sind für drei Viertel des Stromverbrauchs (nicht des CO2s wohlgemerkt) verantwortlich. Ja, prima! Aber der Punkt ist ja, dass wir unser Konsum reduzieren sollen. Das bedeutet, dass auch diese drei Viertel sinken. Wir brauchen mehr Strom für Autos? Nein, danke! Wir brauchen weniger Autos. Wir können unser Problem nicht lösen, indem alle, die jetzt einen Verbrenner fahren, dann ein E-Auto fahren. Das ist Wahnsinn und ineffizient. Schon der Bau dieser Autos würde für CO2-Ausstoß sorgen, den wir uns nicht mehr leisten können. Wenn weniger Autos benutzt werden, müssen auch nicht so viele hergestellt werden, weshalb „die Industrie“ auch weniger Energie und sonstiges braucht. Die Wärmepumpen brauchen zwar Energie, aber viel weniger als bei Verbrennung.

Natürlich kann und sollte auch jeder und jede Einzelne Strom sparen, indem sie das Licht aus- oder den Stand-by-Modus des Fernsehers abschalten: Laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online könnten wir über 15 Millionen Tonnen CO₂ einsparen, wenn alle Privathaushalte in Deutschland ihr Stromsparpotenzial voll ausschöpfen würden. Das klingt nach viel, es sind aber nur sieben Prozent von dem, was die Energiewirtschaft im Jahr 2020 verursacht hat.

Ehm. Ja? Wir müssen auf Null. Lieber heute als morgen! Was ist das für ein unglaublicher Unfug! Jeder, jede kann mit minimalem Aufwand zu Hause Energie sparen. Was soll dieser Öko-Whataboutism? Warum schreiben Öko-Redakteur*innen so etwas? Man sollte ihnen sofort ihr Gehalt um 7% kürzen. Freut den Verlag sicher und sie sollen sich nicht so haben!

Es geht weiter:

Wer also die Wahl hat, einen Nachmittag lang alle Glühbirnen durch Energiesparlampen auszutauschen oder auf die Straße zu gehen – ja, der sollte wohl lieber zu Plakat und Trillerpfeife greifen.

Was soll das? Wenn ich einmal meine Glühlampen austausche, allgemein sparsam mit Energie umgehe, sparsame Geräte kaufe, spare ich langfristig Energie ein. Zum Beispiel kann man seinen Wäschetrockner abschaffen. Der verbraucht einen Haufen Energie und ist unnütz, denn die Wäsche trocknet auch so. Tausende Generationen vor uns haben ohne Trockner gelebt. Wenn man die Lampen getauscht hat und jeweils sparsame Geräte kauft, braucht man keine weitere Zeit für ein sparsames Leben und kann Plakate malen und lostrillern.

Was hier gemacht wird, von Ökoredakteur*innen und auch von Öko-Aktivist*innen ist eine systematische Entlastung: Ej, ich geh ja zwei Mal im Jahr zu FFF demonstrieren, ich kann also super weiter SUV fahren, Energie verschwenden und tonnenweise Avocados essen (siehe unten). Nein! Kannst’e nicht! Privates ist politisch! Du bist für die Scheiße verantwortlich, die Du machst. Ja!

Essen ist politisch. Teilnehmer*innen der Demo „Wir haben es satt!“, Brandenburger Tor, Berlin, 19.01.2019, Bild: Stefan Müller, CC-BY

Flugscham. Ja, bitte! Und SUV-Scham gleich noch dazu

Womöglich markiert das Aufkommen des Begriffs „Flugscham“ jenen Moment, da die Diskussion über die Klimaschädlichkeit unserer Mobilität vollends zu einer moralischen wurde: Was, du fliegst noch?!? Oder umgekehrt: Was, ihr wollt den Leuten ihren wohlverdienten Urlaub in Mallorca madig machen?!? Hier kommt ein Vorschlag zur Versachlichung.

Der Sektor Verkehr innerhalb Deutschlands – also erst mal ohne internationale Flüge und Schiffsreisen – macht ein Fünftel der nationalen Treibhausgase aus. Etwa 60 Prozent dieser Emissionen verursachen Autos – Inlandsflüge nur 1,4 Prozent. Ja, das Flugzeug ist zwar das klimaschädlichste Verkehrsmittel überhaupt. Weil wir aber im Inland so viel Auto fahren und so wenig fliegen, fallen die Flüge kaum ins Gewicht.

Sag ich doch: Whataboutism! Das ist ja nur 1,4% (Die Zahl ist wahrscheinlich falsch, siehe unten). Dieselbe Art Argumentation findet man übrigens auch bei so Leuchten, die von der AfD beeinflusst sind: Deutschland produziert ja nur 2% des CO2. Vergessen wird dabei immer, dass wir nur 1% der Weltbevölkerung sind.

Der Punkt ist: Wir müssen auf Null. Das heißt, wir müssen uns überlegen, wie wir die 60% der Autos und die 1,4% der Inlandsflüge wegbekommen. Da man die Inlandsflüge einfach durch Bahnfahrten ersetzen kann, gibt es hier überhaupt nichts zu diskutieren. Das Flugbenzin ist übrigens staatlich subventioniert. Auch das sollte schleunigst abgeschafft werden.

Die Zahlen mit 60% scheinen mir auch falsch. Muss ich noch überprüfen.

Insgesamt kann man durch die Ernährung also einen relativ großen Einfluss auf den individuellen Klima-Fußabdruck nehmen. Aber: Ein schneller Kohleausstieg hätte eine viel größere Wirkung, als wenn einzelne Menschen sich vegan, regional und saisonal ernähren oder Bio kaufen. Die Stromerzeugung aus Kohle verursachte im Jahr 2020 123 Millionen Tonnen CO₂ – fast doppelt so viel wie die gesamte Landwirtschaft.

Wie gesagt: Extrem ärgerlich. Wir müssen auf Null. Und das so schnell wie möglich. „Jeder Bruchteil eines Grades zählt“, wie UN-Generalsekretär António Guterres sagte (Rede zur Veröffentlichung des IPCC-Reports). Und für das 1,5°-Ziel bleiben noch 3 Jahre.

Ernährung am Beispiel der Avocado

Zurück zur Avocado: 2018 wurden laut statistischem Bundesamt 94.000 Tonnen Avocados importiert. Nach Angaben des Umweltbundesamts hat ein Kilo Avocado einen CO₂-Fußabdruck von 0,6 Kilogramm Treibhausgase. Das macht etwa 0,06 Millionen Tonnen Treibhausgase für alle 94.000 Tonnen Avocados. So wenig? Ja, es handelt sich ja nur um eine kleine Einzelentscheidung. Die auch zeigt, worauf wir unsere Energie eher richten sollten, als mit dem Finger auf unsere Avocado-Toasts zu zeigen – zum Beispiel auf den Kohleausstieg.

94.000 Tonnen ergeben 56.400 Tonnen CO2? Und das CO2 ist noch nicht alles! Wasser! Der Avocado-Anbau ist extrem wasserintensiv: Für ein Kilogramm Avocados werden durchschnittlich 1000 bis 1500 Liter Wasser benötigt – etwa acht Mal so viel wie für ein Kilogramm Kartoffeln. Und das, obwohl Avocados in Chile oder Israel angebaut werden. Ich empfehle zum Thema Avocados den Artikel: Avocado: Wasserverbrauch und Umweltbilanz. In diesem Artikel wird außerdem auf die Lagerung und Reifung von Avocados und einigen anderen Wahnsinn eingegangen. Es werden Tipps zum Kauf von Avocados gegeben, wenn man denn dann überhaupt noch welche kaufen will.

Sind wir alle doof? Nee, oder?

Der Artikel endet so:

Wer seine mentale Energie mit Entscheidungen verbraucht wie „Bio in Plastikverpackung oder konventionell unverpackt?“, „Käse aus Brandenburg oder Sojaschnitzel aus Dänemark?“, darf sich ruhig mal ein Stück Sahnetorte beim Bäcker gönnen. Fünkchen auszupusten, während das Feuer daneben munter weiterbrennt, bringt uns nicht weiter. Vor allem, wenn wir darüber vergessen, den Eimer zu nehmen – und anzufangen zu löschen.

Wie ich oben gezeigt habe, kann man durch sein individuelles Verhalten den CO2-Fußabdruck um fast die Hälfte reduzieren. Ein SUV ist kein Fünkchen. Er ist klimatechnischer Wahnsinn. Lebensmittel und Blumen, die um die ganze Welt gekarrt bzw. geflogen werden, sind unsinniger Luxus. Flugreisen für ein Wochenende in Tallin sind unverantwortlich. Das Rockkonzert in London funktioniert nur wegen der Subventionen der Flugindustrie und wir müssen darum kämpfen, dass diese abgeschafft werden. Aber bis das passiert, sollten Individuen sich selbst aus Einsicht in die sich aus der katastrophalen Lage ergebende Notwendigkeit nicht mehr zum Spaß für eine Nacht nach London fliegen.

Menschen, die so etwas tun, obwohl wir noch ein CO2-Budget für drei Jahre haben, wenn wir das 1,5°-Ziel halten wollen, sind unverantwortlich und sollen sich wenigstens schlecht dabei fühlen. Davon ausnehmen kann man vielleicht Aktivist*innen, weil die hoffentlich in der Tat etwas bewirken. Was man aber immer bedenken sollte, wenn man solche Artikel verfasst, liest und preist: Es waren 1,4 Mio Menschen mit Fridays For Future auf der Straße. Vielleicht kann man 3 Mio Menschen zu denen zählen, die jemals irgendetwas für das Klima getan haben, politisch aktiv wurden. Die restlichen 80 Mio werden solche Artikel einfach als Rechtfertigung für ein Weiterso benutzen. Whataboutism.

Auch empfinde ich es als Beleidigung, wenn die Autorin davon ausgeht, dass wir intellektuell damit überfordert wären, uns dafür zu entscheiden saisonale, regionale, vegetarische oder besser noch vegane Produkte zu kaufen. Welche Früchte und welches Gemüse gerade lokal verfügbar ist, lernt man in der Schule oder der Domäne Dahlem, wo es herkommt und steht auf der Verpackung. Handelt man nach der Devise LeiderGeil, dann ist man eben Egoist. Da gibt es kein Vertun. Das ist dann so, als würde man im Krieg während eines Luftangriffs und Verdunklungsanordnung mit seinen Kumpels eine Party bei offenem Fenster und Festbeleuchtung feiern. Macht Spaß, aber nicht lange und auch für die anderen im Wohnblock nicht.

Ein Gerücht

So, ich setze jetzt mein erstes Gerücht in die Welt: Die These, dass der Fußabdruck schlimm sei und von BP benutzt wurde, um uns von der Energiewirtschaft abzulenken, wird massiv von einem Thinktank gepuscht, dessen Ziel es ist, uns alle zu beruhigen. Wir sollen glauben, dass das sowieso nur über die großen Stellschrauben gelöst werden kann, dass wir vielleicht mal richtig wählen müssten und ansonsten könnten wir einfach fröhlich weiter konsumieren, als gäbe es kein heißes Morgen.

Das habe ich mir komplett ausgedacht, aber wenn ich in einem solchen Thinktank arbeiten würde, würde ich mir das auch ausdenken. So. Gerücht. Verbreite Dich!

Handabdruck

Gestern habe ich vom Handabdruck als positiver Alternative zum Fußabdruck gelernt. Letztendlich ist das Ergebnis dasselbe: weniger Fleisch, nicht fliegen, weniger und kleinere Autos, wenn möglich, Auto stehen lassen und Rad fahren (geht auch auf dem Dorf), zum Bäcker laufen usw. Um reflektiertes Handeln kommen wir nicht herum.

Entschuldigung

Ich möchte mich bei Katharina Mau entschuldigen, denn dieser Blog-Post zerpflückt hauptsächlich ihren Artikel und wir sind ja eigentlich im selben Team. Ich habe Ihr Twitter-Profil gefunden und gesehen, dass sie sich mit Klimakrise und Psychologie beschäftigt. Ich habe von Psychologie keine Ahnung und wahrscheinlich ist genau das das mein Problem. Ich kann verstehen, dass es darum geht, Massen zu aktivieren und diese nicht durch Verbote abzuschrecken. Das ändert aber nichts daran, dass es Verhaltensänderungen in allen Lebensbereichen geben muss und zwar sehr schnell. Die Artikel, über die ich mich immer ärgere, sind falsch geschrieben. Vielleicht nur in Nuancen, aber so, wie sie jetzt sind, sind sie Entlastungen und für solche weitgreifenden Entlastungen haben wir nicht mehr genug CO2-Restbudget. Wie oben geschrieben: Wir sind im Krieg, die Flugzeuge sind in der Luft, wir müssen die Fenster schließen!

Disclaimer

Ej, ich bin auch nicht perfekt. Ich esse tierische Produkte wie Butter, Käse, Eier und Joghurt. Milch trinke ich praktisch keine mehr. Hafermilch geht für’s Müsli. Butter esse ich viel (ich weiß, die hat einen hohen CO2-Abdruck), die anderen Lebensmittel weniger. Schokolade und Käse kaufe ich nicht, esse ich aber gern. Der Punkt ist: Mir ist das klar und ich arbeite daran.

Our remaining CO2 budget: Car is over

The other day I was walking with someone (TM) in the Tiergarten. We talked about climate issues. One point was the new IPCC report and the remaining CO2 budget for achieving the 1.5° target. The IPCC report is compiled by leading scientists as a summary of scientific articles. This was done with professional articles from 2020 in 2021. The report was translated in 2022 and then made available to the public in March and April. Almost all political parties in Germany agreed before the election last year that they were aiming for the 1.5° target. The following table shows the remaining budget of CO2 emissions we had in 2020 depending on certain temperature increases coupled with a certain probability. The first line shows the 1.5° target with a probability of 17%, 33%, 50%, 67%, 83%. If we want to reach 1,5° with a probability of 17% we had 900 Gt left, for 33% we had 650 Gt and so on.

Table with the remaining CO2 quantities and the corresponding temperature increases and probabilities. Source: IPCC, 2021. 6. IPCC Assessment Report. p. 27

The development of the climate is complex. The climate is like weather. Depending on the type of weather situation, it is not possible to predict whether it will rain tomorrow or not. But you can predict it with a certain probability. This is also the case with climate developments. If we emit 650 Gt of CO2 from 2020, we will reach the 1.5° target with a 33% probability. This means that in one out of three cases, what we expect will happen. We all learned this in school with dice. So: works, crap, crap, works, crap, crap. At 50% it would be: work, crap, works, crap and at 67% it would be: works, works, crap, works, works, crap. Someone once compared this to crashing planes at an event. One in three crashes. This is not entirely correct, because there are a lot of options for the value above 1.5°. 1.52° is also a miss of the 1.5° target. What happens in the remaining third is again a question of probabilities. I don’t know the details because I’m not an expert, but with a certain probability we will end up in a 2° world, with a different probability in a 3° world and so on. All these probabilities together for the range above 1.5° give 33%. One thing is clear: we don’t want to go there. It’s bad enough now. So we have to push the probability of getting there as low as possible. The table shows us the case for reaching the 1.5° target with 83% probability. That would be: works, works, works, works, crap. Much better, isn’t it? At least better than 1 out of 3 (67%), because the probabilities in the range we want to avoid also shift in our favor if we emit less CO2. If we want 83% certainty, we have to assume 300Gt remaining CO2 emissions in 2020. In the meantime, however, humanity has unfortunately continued to emit CO2. This amounted to 34,807 million tonnes in 2022 (source: Statista). In 2021, we reached almost the level of 2019 again (source: Deutschlandfunk), i.e. 36,702 million tonnes. Together, this is about 70 Gt for 2020 and 2021. This means that we still have 300–70 = 230 Gt left to reach the 1.5° target with an 83% probability. For all of humanity. We can now consider how to allocate this remaining budget. One could simply look at who has emitted how much since the beginning of industrialization and divide the quantities fairly. If we do that, … Oh. Not possible for the western world, because then we have nothing left.

Countries represented by CO2 emissions instead of their real size. Source: The Carbon Map, 13.05.2022.

Then let’s try the second best: we take what’s left and divide that by the number of people living in this world. Since Germans are 1% of the world’s population, we have 1% of 230 Gt = 2.3 Gt. A former environment minister once said: “Nobody can understand what these tons mean.” That’s why we break it down even further. This country is home to 83 million people (source: Wikipedia). 2.3 t * 10^9 / 83 * 10^6 = 27.7 t per person.1

At this point, we should now be thoughtful. Extinction Rebellion has occupied the bridge in front of the ARD capital studio in Berlin and summarized it as follows:

Bridge decoration during a blockade of Extinction Rebellion: We are fucked, Berlin, 05.03.2022, Image: Stefan Müller, CC-BY

The average annual output of a person in Germany is 10.78t. In other words, we will have used up everything in three years.2 All of it! Oh.

Average German CO2 emissions according to the Federal Environment Agency, 2022

Note that the US and Australia are twice as bad as Germans, so if they continue as if there was no tomorrow, they would have used up their share in a year and a bit.

My interlocutor has now pointed out an interesting fact: If you buy a car with a combustion engine today, then it will emit so much CO2 during the time cars are registered in Germany (10.1 years in average; Kraftfahrt-Bundesamt, 2022: 7), that the remaining budget of the respective person is used up. According to Atmosfair, a mid-range car that drives 12,000km a year emits 2t. SUVs have a correspondingly higher output. It follows that actually not a single combustion car should be registered anymore. I hear you say, “Well, ok, convinced. I buy an electric car and drive only with green electricity.” But no. Fiddlesticks! A 100% electric small car only needs up to 11t CO2 of our remaining budget for production (Of course, the combustion engine also has a CO2 impact in production! I had ignored that for the sake of the punchline. For combustion engines, the CO2 impact of production is: small cars: up to 4 tons of CO2, mid-range cars: up to 8 tons of CO2, mid-range cars hybrid: up to 12 tons, CO2 luxury SUV: up to 25 tons of CO2. Source: Carbon connect, 2020)

The overall conclusion is that cars are not a solution for private transport. At the moment it may be difficult in the countryside without a car, but this problem must be solved politically as soon as possible. A continuation of this is simply impossible if we want to continue living. Car is over!

Family at Fridays For Future Demonstration at the Brandenburg Gate in Berlin, 20.09.2019, Photo: Stefan Müller CC-BY

Summary

Broken down to one person, 27.7t of CO2 remain. According to atmosfair, this is less than 14 years of driving a car if 12.000 km are driven per year with a mid-range combustion engine car (without manufacturing the car). Or less than 6 flights from Berlin to LA and back (5,095t each) or less than three flights to Sydney Economy Class (10,683t). You can only do Business Class (20t) or First Class (26.7t) once. In many other types of consumption, the energy mix plays a role. This is not the case with combustion cars and airplanes, because it is clear that fossil fuels are burned. That’s why individual decisions are really decisive here. Maybe you should just avoid these things. At least from time to time. Please!

Acknowledgements

I would like to thank Cornelia Huth of Scientist Rebellion for food for thought and help with the numbers and sources and someone (TM) for the point concerning the personal remaining budget and the CO2 emissions of cars.

Sources

carbon-connect AG. 2020. The CO2 footprint of a new car: electric versus combustion engine: the not so easy climate balance. Volketswil. https://www.carbon-connect.ch/de/co2-emissionen-autoproduktion/.

IPCC, 2021. Summary for policy-making. In the contribution of Working Group I to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S.L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M.I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T.K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, and B. Zhou (eds.)] (ed.), Scientific basics. https://www.de-ipcc.de/media/content/AR6-WGI-SPM_deutsch_barrierefrei.pdf.

Federal Motor Transport Authority. 2022. Vehicle registrations (FC) Stock of motor vehicles and their trailers by vehicle age 1 January 2022. Flensburg: Kraftfahrzeugbundesamt. https://www.kba.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistik/Fahrzeuge/FZ15/fz15_2022.pdf?__blob=publicationFile&v=5.

German Council of Environmental Experts. 2020. For a determined environmental policy in Germany and Europe (environmental assessment). (https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2016_2020/2020_Umweltgutachten_Entschlossene_Umweltpolitik.html)

Zu unserem CO2-Restbudget: Car is over

(Update 25.03.2024 Update vom Sachverständigenrat für Umweltfragen: CO2-Budget ist aufgebraucht (SRU 2024). Es gibt eine schöne Visualisierung vom klimadashboard.

Update 26.06.2022 Inzwischen hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät, eine Berechnung des Restbudgets veröffentlicht (SRU, 2022). Die Wissenschaftler*innen haben ein noch kleineres Budget als ich berechnet. Es verbleiben 2Gt für das 1,5°-Ziel bei 67% (S. 7). Ich hatte 2,3Gt bei 83%. Sie haben also weniger und die Wahrscheinlichkeit, dass das 1,5°-Ziel erreicht wird, ist auch noch geringer. Das liegt daran, dass der SRU die Verteilung auf die Bevölkerung ab 2016, dem Zeitpunkt des Pariser Abkommens, gerechnet hat, wohingegen ich von einer gleichmäßigen Verteilung Pro-Kopf ab jetzt ausgegangen bin.)

Neulich war ich mit jemand (TM) im Tiergarten spazieren. Wir haben uns über Klimafragen unterhalten. Ein Punkt war der neue IPCC-Bericht und das verbleibende CO2-Budget für das Erreichen des 1,5°-Ziels. Der IPCC-Bericht wird von führenden Wissenschaftler*innen als Zusammenfassung von Fachartikeln zusammengestellt. Das geschah mit Fachartikeln von 2020 im Jahre 2021. Der Bericht wurde 2022 übersetzt und dann im März und April der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Fast alle politischen Parteien waren sich vor der Wahl einig, dass sie das 1,5°-Ziel anstreben. Die folgende Tabelle zeigt, welches Rest-Budget an CO2-Ausstoß wir 2020 hatten, wenn wir bestimmte Temperatursteigerungen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit erreichen wollen. Die erste Zeile zeigt das 1,5°-Ziel mit Wahrscheinlichkeit von 17%, 33%, 50%, 67%, 83%.

Tabelle mit den verbleibenden CO2-Mengen und den entsprechenden Temperatursteigerungen und Wahrscheinlichkeiten. Quelle: IPCC, 2021. 6. IPCC-Sachstandsbericht. S. 32

Klimaentwicklungen sind komplex. Mit dem Klima ist es wie mit dem Wetter. Je nach Wetterlage kann man nicht voraussagen, ob es morgen regnet oder nicht. Aber man kann es mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorhersagen. So ist das mit den Klimaentwicklungen auch. Wenn wir von 2020 ausgehend 650 Gt CO2 ausstoßen, erreichen wir das 1,5°-Ziel mit 33% Wahrscheinlichkeit. Das bedeutet, dass in einem von drei Fällen das von uns Erwartete eintritt. Wir haben das alle in der Schule mit Würfeln gelernt. Also: klappt, Mist, Mist, klappt, Mist, Mist. Bei 50% wäre es klappt, Mist, klappt, Mist und bei 67% dann klappt, klappt, Mist, klappt, klappt, Mist. Jemand hat das auf einer Veranstaltung mal mit abstürzenden Flugzeugen verglichen. Eins von dreien stürzt ab. Das ist nicht ganz korrekt, denn über 1,5° kann alles Mögliche sein. 1,52° ist auch ein Verfehlen des 1,5°-Ziels. Was in dem restlichen Drittel passiert, ist wieder mit Wahrscheinlichkeiten behaftet. Die Details kenne ich nicht, weil ich kein Fachwissenschaflter bin, aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit werden wir in einer 2°-Welt landen, mit einer anderen Wahrscheinlichkeit in einer 3°-Welt und so weiter. Alle diese Wahrscheinlichkeiten zusammen für den Bereich über 1,5° ergeben 33%. Klar ist: Dort wollen wir nicht hin. Es ist jetzt schon schlimm genug (zu einer Sammlung von Katastrophenberichten aus den Medien). Also müssen wir die Wahrscheinlichkeit, dass wir dorthin gelangen, so tief wie möglich drücken. Die Tabelle zeigt uns noch den Fall für ein Erreichen des 1,5°-Ziels mit 83% Wahrscheinlichkeit. Das wäre: klappt, klappt, klappt, klappt, Mist. Geht schon, oder? Jedenfalls besser als 1 von 3 (67%), denn auch die Wahrscheinlichkeiten im Mist-Bereich verschieben sich ja zu unseren Gunsten, wenn wir weniger CO2 ausstoßen. Wenn wir 83% Sicherheit wollen, müssen wir mit 300Gt verbleibendem CO2-Ausstoß 2020 rechnen. Inzwischen hat die Menschheit aber leider weiter CO2 ausgestoßen. 2020 waren das 34.807 Mio Tonnen (Quelle: Statista). 2021 haben wir wieder annähernd das Niveau von 2019 erreicht (Quelle: Deutschlandfunk) also 36.702 Mio Tonnen. Zusammen sind das für 2020 und 2021 also ca. 70 Gt. Das heißt, dass uns für das Erreichen des 1,5°-Ziels mit 83% Wahrscheinlichkeit noch 300–70 = 230 Gt bleiben. Für die gesamte Menschheit. Wir können jetzt überlegen, wie wir dieses Restbudget aufteilen. Man könnte einfach gucken, wer seit Beginn der Industrialisierung wie viel ausgestoßen hat und die Mengen gerecht aufteilen. Wenn wir das machen, … Oh. Geht nicht, denn dann haben wir nichts mehr übrig.

Länder dargestellt nach CO2-Ausstoß anstatt ihrer wirklichen Größe. Quelle: The Carbon Map, 13.05.2022.

Update: 26.06.2022: Nun könnte man sagen, dass wir ja nichts dafür können, denn zu Beginn der Industrialisierung konnte niemand ahnen, was für katastrophale Folgen das Verwenden von Dampfmaschinen, Stahl und Zement haben würde. Aber selbst das kann uns nicht entlasten, denn wenn wir den Ausstoß ab der Veröffentlichung des ersten Sachstandsberichts des IPCC 1990 zugrundelegen, wäre unser Budget für 1,5° bereits aufgebraucht. Das 2°-Budget bei 50%iger Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung voraussichtlich Anfang 2023. (SRU, 2022: 10)

Dann versuchen wir mal das Zweitbeste: Wir nehmen das, was noch übrig ist, und teilen das durch die Anzahl der Menschen, die auf dieser Welt leben. Da die Deutschen 1% der Weltbevölkerung sind, haben wir 1% von 230 Gt = 2,3 Gt. Eine frühere Umweltministerin hat mal gesagt: „Unter den ganzen Tonnen kann sich doch niemand etwas vorstellen.“ Drum brechen wir das noch weiter runter. In diesem Land leben 83 Mio Menschen (Quelle: Wikipedia). 2,3 t * 10^9 / 83 * 10^6 = 27,7 t pro Person.3

An dieser Stelle sollten wir jetzt nachdenklich werden. Extinction Rebellion hat in Berlin die Brücke vor dem ARD-Hauptstadtstudio besetzt und das so zusammengefasst:

Brückendekoration während einer Blockade von Extinction Rebellion: We are fucked, Berlin, 05.03.2022, Bild: Stefan Müller, CC-BY

Der durchschnittliche Jahresausstoß einer Person in Deutschland beträgt 10,78t. Das heißt, wir haben in drei Jahren alles aufgebraucht.4 Alles alle! Oh.

Die Ergebnisse des Sachverständigenrates für Umweltfragen sind noch viel schlimmer, denn, da sie von 2016 an rechnen, kommen sie auf 2Gt bei nur 67% Wahrscheinlichkeit des Erreichens des 1,5°-Ziels. Das wären dann 24 t pro Person.

Durchschnittlicher deutscher CO2-Ausstoß laut Umweltbundesamt, 2022

Mein Gesprächspartner hat nun auf eine interessante Tatsache hingewiesen: Wenn man heute ein Auto mit Verbrennungsmotor kauft, dann wird dieses in der Zeit, in der Autos in Deutschland zugelassen sind (10,1 Jahre; Kraftfahrt-Bundesamt, 2022: 7), so viel CO2 ausstoßen, dass das Restbudget der jeweiligen Person aufgebraucht ist. Laut Atmosfair stößt ein Mittelklassewagen, der 12.000km im Jahr fährt, 2t aus. SUVs haben einen entsprechend größeren Ausstoß. Es folgt, dass eigentlich kein einziges Verbrenner-Auto mehr zugelassen werden dürfte. Ich höre Euch sagen: „Tja, ok, überzeugt. Ich kaufe mir ein Elektroauto und fahre nur noch mit Ökostrom.“ Aber nee. Pustekuchen. Ein 100% elektrischer Kleinwagen braucht nur für die Herstellung bereits bis 11t CO2 unseres Restbudgets (Der Verbrenner hat natürlich auch einen CO2-Impact in der Herstellung! Das hatten ich bisher der Pointe wegen ignoriert. Bei Verbrennern sind es: Kleinwagen: bis 4 Tonnen CO2, Mittelklassewagen: bis 8 Tonnen CO2, Mittelklassewagen Hybrid: bis 12 Tonnen, CO2 Luxus-SUV: bis 25 Tonnen CO2. Quelle: Carbon connect, 2020)

Die Gesamtschlussfolgerung ist, dass Autos keine Lösung für den Individualverkehr sind. Zur Zeit mag es auf dem Land ohne Auto schwierig sein, aber dieses Problem muss schnellstmöglich politisch gelöst werden. Ein Weiter-so ist schlicht unmöglich, wenn wir weiter leben wollen. Car is over!

Familie bei Fridays For Future Demonstration am Brandenburger Tor in Berlin, 20.09.2019, Bild: Stefan Müller CC-BY

Zusammenfassung

Runtergebrochen auf eine Person verbleiben noch 27,7t CO2. Das sind laut atmosfair weniger als 14 Jahre Auto fahren, wenn 12.000 km pro Jahr mit einem Mittelklasse-Verbrenner gefahren werden (ohne Herstellung des Autos). Oder weniger als 6 Flüge nach LA und zurück (je 5,095t) bzw. weniger als drei Flüge nach Sydney Economy Class (10,683 t). Business Class (20t) oder First Class (26,7t) könnt Ihr nur einmal machen. Bei vielen anderen Arten des Konsums spielt der Energiemix eine Rolle. Das ist bei Verbrenner-Auto und Flugzeug nicht der Fall, weil da klar ist, dass fossile Brennstoffe verbrannt werden. Deshalb sind wirklich individuelle Entscheidungen hier maßgeblich. Vielleicht sollte man sich diese Dinge dann einfach verkneifen. Wenigsten ab und zu. Bitte!

Nachtrag

Ich danke Hartmut Ehler, der mich auf folgenden Rede von Greta Thunberg hingewiesen hat:

Rede von Greta Thunberg vor der Französischen Nationalversammlung 23.07.2019

Dort hat sie gesagt:

Once you realize how painfully small the size of our remaining carbon dioxide budget is, once you realize how fast it is disappearing, once you realize that basically nothing is being done about it and once you realize that almost no one is even aware of the fact that carbon dioxide budgets even exists, then tell me what exactly do you do? And how do we do it without sounding alarmist? That is the question we must ask ourselves, and the people in power.

Das war vor drei Jahren und das Gesamtbudget ist noch viel kleiner geworden seitdem. Ich hoffe, dass inzwischen mehr Menschen wissen, dass es diese Budgets gibt und dass ich mit meinem Beitrag verständlich machen konnte, wie klein es inzwischen ist und was das für jede/jeden Einzelnen bedeutet.

Danksagungen

Ich danke Dr. Cornelia Huth von Scientist Rebellion für Denkanstöße und Hilfe mit den Zahlen und Quellen und Jemand (TM) für die Sache mit dem persönlichen Restbudget und dem CO2-Ausstoß von Autos.

Quellen

carbon-connect AG. 2020. Der CO2-Fussabdruck eines neuen Autos: Elektro versus Verbrennungsmotor: die nicht ganz einfache Klimabilanz. Volketswil. https://www.carbon-connect.ch/de/co2-emissionen-autoproduktion/.

IPCC, 2021. Zusammenfassung für die politische Entscheidungsfindung. In Beitrag von Arbeitsgruppe I zum Sechsten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen [Masson-Delmotte, V., P. Zhai, A. Pirani, S.L. Connors, C. Péan, S. Berger, N. Caud, Y. Chen, L. Goldfarb, M.I. Gomis, M. Huang, K. Leitzell, E. Lonnoy, J.B.R. Matthews, T.K. Maycock, T. Waterfield, O. Yelekçi, R. Yu, and B. Zhou (eds.)] (ed.), Naturwissenschaftliche Grundlagen. https://www.de-ipcc.de/media/content/AR6-WGI-SPM_deutsch_barrierefrei.pdf.

Kraftfahrt-Bundesamt. 2022. Fahrzeugzulassungen (FZ) Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern nach Fahrzeugalter 1. Januar 2022. Flensburg: Kraftfahrzeugbundesamt. https://www.kba.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistik/Fahrzeuge/FZ15/fz15_2022.pdf?__blob=publicationFile&v=5.

Sachverständigenrat für Umweltfragen. 2020. Für eine entschlossene Umweltpolitik in Deutschland und Europa (Umweltgutachten). (https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2016_2020/2020_Umweltgutachten_Entschlossene_Umweltpolitik.html)

Sachverständigenrat für Umweltfragen. 2022. Wie viel CO2 darf Deutschland maximal noch ausstoßen? Fragen und Antworten zum CO2-Budget. Berlin: Sachverständigenrat für Umweltfragen. (https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2020_2024/2022_06_fragen_und_antworten_zum_co2_budget.html)

Sachverständigenrat für Umweltfragen. 2024. Wo stehen wir beim CO2-Budget? Eine Aktualisierung. Berlin: Sachverständigenrat für Umweltfragen. (https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/04_Stellungnahmen/2020_2024/2024_03_CO2_Budget.pdf?__blob=publicationFile&v=8)

Schwarz, Susanne. 2022. Budget für Deutschland: Nur noch wenige Gigatonnen CO2. taz. 15.06.2022 Berlin: Sachverständigenrat für Umweltfragen. (https://taz.de/Budget-fuer-Deutschland/!5858119/)

Die Klimabewegung: Menschen, Bürger*innen, Aktivist*innen (im Entstehen)

Auf Demos und im Netz hört man/liest man mitunter merkwürdige Kommentare wie „Geht doch mal arbeiten! Habt Ihr sonst nichts zu tun?“ Ich möchte an dieser Stelle einfach mal zeigen, was für Menschen protestieren, wie vielfältig die Klimabewegung ist – gerade auch die mit zivilem Ungehorsam – und was für Biographien dahinter stehen. Ich habe Bilder aus Aktionen, die ich photographiert habe, zusammengestellt und wenn ich Portraits habe, auch ein Portraitbild dazugetan. Zu jedem Bild gibt es ein kleines Zitat der abgebildeten Person und Verweise auf Zeitungsberichte. Begonnen, mit dem zivilen Ungehorsam, haben die Schüler*innen von Fridays for Future, indem sie nicht zur Schule gegangen sind. Ich fange hier aber mit den Ältesten an.

Ernst Hörmann (geb. 1950, 72 Jahre, X Kinder, 8 Enkel)

Ernst Hörmann, 72 Jahre alt und 8 Enkel ist Teil des Aufstands der Letzten Generation. Er blockiert Straßen und Flughäfen.

Ernst Hörmann (72, 8 Enkel), Aktivist vom Aufstand der Letzten Generation, bei der erkennungsdienstlichen Behandlung nach der Blockade der A100, Berlin, 04.02.22
Ernst Hörmann, Aktivist vom Aufstand der Letzten Generation, blockiert die A100. Auf der Straße liegen Lebensmittel, die von Supermärkten weggeworfen wurden, Berlin, 04.02.22

Bilder auf Flickr

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Februar 2022

Lothar Hermstädt (geb. 1953, 69 Jahre)

Lothar Hermstädt ist Maschinenbauingenieur, hat bei BMW gearbeitet und jetzt bei Scientist Rebellion.

Lothar Hermstädt, Maschinenbauingenieur, bei der Paper-Pasting-Aktion von Scientist Rebellion am Bundesverkehrsministerium, Berlin, 08.04.22

Bilder auf Flickr

Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim (

Nikolaus Froitzheim ist Professor für Strukturgeologie in Bonn. Er ist schon seit 2021 bei Extinction Rebellion dabei und engagiert sich jetzt auch bei Scientist Rebellion.

Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim, Professor für Strukturgeologie in Bonn, während einer Blockade einer Brücke durch Scientist Rebellion, Kronprinzenbrüce, Berlin, 06.04.22
Prof. Dr. Nikolaus Froitzheim, Geologe an der Uni Bonn, im Lock On am Lautsprecherwagen von Extinction Rebellion bei der Blockade des Brandeburger Tors. Berlin, 20.08.21

Motivation: Youtube 06.04.22

Bilder auf Flickr

Quelle: Generalanzeiger Bonn: Wer ist der Bonner Professor, der sich fürs Klima auf die Straße setzte? 17.05.2021

Manon Gerhardt (50 Jahre, geb. 1972, X Kinder)

Manon Gerhardt ist Bratschistin an der Deutschen Oper Berlin. Sie ist bei Extinction Rebellion aktiv.

Manon Gerhardt spielt Bratsche Rebellion wave: Tag1, Die In auf der Marschallbrücke während der Demonstration von Extinction Rebellion „Trauerzug der Toten Bäume“, Berlin, 05.10.2020

Bilder auf Flickr

Quelle: Klimareporter: Für den Schutz der Lebenswelt, 2020

Edmund Schultz

Edmund Schultz aus Braunschweig ist Projektmanager im Klimabereich. Er ist Mitglied vom Aufstand der Letzten Generation.

Edmund Schultz, vorn mit grauen Haaren, blockiert mit 100 anderen vom Aufstand der Letzten Generation die Straße vor dem Brandenburger Tor am 100sten Tag, an dem die Bundesregierung im Amt ist. Berlin, 18.03.2022

Bilder bei Flickr

Dr. Tadzio Müller (1976)

Tadzio Müller hat in Heidelberg, Boston, und Sussex Politikwissenschaft und Globale politische Ökonomie studiert und hat dann in Sussex in Internationalen Beziehungen und Politik promoviert. Er hat an der Universität Kassel und bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung gearbeitet. Er war und ist an verschiedenen stellen in der Klimabewegung aktiv. Unter anderem hat er Ende Gelände mitgegründet.

Klimakativist Tadzio Müller hält ruft am Brandenburger Tor bei der Klimademo #AlleFürsKlima vor 270.000 Menschen zu Ungehorsam für alle auf. Berlin, 20.09.19

Bilder bei Flickr

Quelle: Wikipedia

Christian Bläul (2 Kinder)

Christian Bläul aus Dresden ist ausgebildeter Physiker und arbeitet jetzt als Softwareentwickler. Er hat seine Arbeitszeit reduziert, damit er sich für den Klimaschutz einsetzen kann. Er ist beim Aufstand der Letzten Generation und bei Scientist Rebellion.

Christian Bläul vom Aufstand der Letzten Generation hat sich bei der Besetzung der A100 an die Straße geklebt. Westend, Berlin, 10.02.22

Motivation: Youtube

Bilder bei Flickr

Dr. Cornelia Huth

Dr. Cornelia Huth ist Ernährungswissenschaftlerin und Epidemologin (Ökotrophologin), war 20 Jahre in der Wissenschaft, dann in einer Bundesbehörde und ist jetzt in der Industrie. Sie hat zwei Kinder und ist bei Scientist Rebellion.

Dr. Cornelia Huth, Ökotrophologin, blockiert mit Scientist Rebellion die Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Bilder bei Flickr

Dr. Nana-Maria Grüning

Dr. Nana-Maria Grüning ist Biologin und bei Scientist Rebellion aktiv.

Dr. Nana-Maria Grüning, Biochemikerin, blockiert mit Scientist Rebellion in Berlin eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Bilder auf Flickr

Anja Freiwald (1 Kind)

Anja Freiwald ist Biotechnologin (M. Sc.) und bei Scientist Rebellion aktiv.

Anja Freiwald, Biotechnologin, blockiert in Berlin gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern von Scientists Rebellion eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Sie haben sich mit Ketten aneinandergekettet, Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Dr. Michael Hofmann

Dr. Michael Hofmann ist theoretischer Physiker und bei Scientist Rebellion aktiv.

Michael Hofmann, theoretischer Physiker, blockiert in Berlin gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern von Scientists Rebellion eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Sie haben sich mit Ketten aneinandergekettet, Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Daniele Artico

Daniele Artico ist Physiker und Doktorand.

Daniele Artico, Physiker, blockiert mit Scientist Rebellion in Berlin eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Florian Zander (1992)

Geowissenschaftler und Doktorand der TU Delft (Niederlande)

Florian Zander, Geowissenschaftler und Doktorand der TU Delft, blockiert mit Scientist Rebellion in Berlin eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Bilder auf Flickr.

Wolfgang Metzeler-Kick

Wolfgang Metzeler-Kick ist Ingenieur für technischen Umweltschutz und bei Scientist Rebellion und dem AUfstand der Letzten Aktion aktiv.

Wolfgang Metzeler-Kick, Ingenieur für technischen Umweltschutz, von den Scientist Rebellion bei der Blockade des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, Berlin, 08.04.22

Motivation: Youtube

Dr. Stephanie Rach

Stephanie Rach ist Tierärztin und Dr. der Veterinärmedizin. Sie ist bei Scientist Rebellion aktiv.

Dr. Stephanie Rach, Tierärztin und Dr. der Veterinärmedizin, blockiert mit Scientist Rebellion die Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Andreas Zilker

Andreas Zilker hat einen B.Sc in Geographie, Freizeit und Umwelt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und einen M.Sc nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit an der TU Kaiserslautern. Er ist bei Scientist Rebellion aktiv.

Andreas Zilker während der Blockade der Kronprinzenbrücke durch Scientist Rebellion. Er hat einen B.Sc in Geographie, Freizeit und Umwelt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und einen M.Sc nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit an der TU Kaiserslautern. Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Bilder bei Flickr

Amelie Meyer

Amelie Meyer, Wirtschaftsmathematikerin, ist bei Scientist Rebellion aktiv.

Amelie Meyer, Wirtschaftsmathematikerin, spricht bei Paper-Pasting-Aktion von Scientist Rebellion, Bundesverkehrsministerium, Berlin, 08.04.22

Friedrich Gräber

Friedrich Gräber, B. Sc. Biochemie, unterbricht sein Studium der Neurowissenschaften im Master, um sich für Klimaschutz zu engagieren. Er ist bei Scientist Rebellion aktiv.

Friedrich Gräber, B.Sc. Biochemie, unterbricht sein Studium der Neurowissenschaften im Master und blockiert in Berlin mit anderen Wissenschaftlern von Scientist Rebellion eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Sie haben sich mit Ketten aneinandergekettet. Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Motivation: Youtube

Kyle Topfer

Kyle Topfer ist Umweltwissenschaftler (B. Sc.). Er kommt aus Australien und ist bei Scientist Rebellion aktiv.

Kyle Topfer von Scientist Rebellion nach der Blockade des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, Berlin, 07.04.22

Motivation: Youtube.

Dr. Valeria Scagliotti

Valeria Scagliotti ist promovierte Biologin und bei Scientist Rebellion.

Dr. Valeria Scagliotti, Biologin, blockiert hochschwanger mit Scientist Rebellion in Berlin eine Brücke, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Kronprinzenbrücke, Berlin, 06.04.22

Amelie Meyer

Amelie Meyer ist Wirtschaftsmathematikerin und bei Scientist Rebellion aktiv.

Amelie Meyer, Wirtschaftsmathematikerin, spricht bei Paper-Pasting-Aktion von Scientist Rebellion, Bundesverkehrsministerium, Berlin, 08.04.22

Lars Werner (30)

Lars Werner aus Göttingen ist Kinderpsychologe. Er arbeitet jetzt nur noch in Teilzeit und engagiert sich in der restlichen Zeit für den Aufstand der Letzten Generation. Im Mai 2022 hat er Erdölpipelines zugedreht.

Lars Werner vom Aufstand der letzten Generation nach dem Gespräch der Hungerstreikenden mit Olaf Scholz, im Hintergrund Carla Hinrichs, Berlin, Friedrich-Ebert-Stiftung, 12.11.21

Bilder auf Flickr

Rumen Grabow

Rumen Garbow aus Greifswald ist Bäcker. Er war am Hungerstreik der Letzten Generation beteiligt.

Rumen Grabow, Hungerstreikender der letzten Generation, am 23. Tag des Hungerstreiks, Berlin, Spreebogen, 21.09.21

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Henning Jeschke

Henning Jeschke aus Greifswald hat sein Studium unterbrochen, um sich dem Kampf gegen die Klimakatastrophe zu widmen. Er war bei Extinction Rebellion, danach am Hungerstreik der Letzten Generation beteiligt (27 Tage und dann im trockenen Hungerstreik) und ist nun beim Aufstand der Letzten Generation aktiv.

Henning Jeschke vom Hungerstreik der letzten Generation am 16. Tag des Hungerstreiks, Berlin, 14.09.21
Henning Jeschke wird mit Schmerzgriff nach der Blutaktion von Extinction Rebellion an der CDU-Zentrale abgeführt, Berlin, 17.08.21

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Carla Hinrichs (25, 1997)

Carla Hinrichs (25) aus Bremen hat ihr Jura-Studium unterbrochen, um sich dem Kampf gegen die Klimakatastrophe zu widmen. Sie war als Unterstützern beim Hungerstreik der Letzten Generation dabei und ist jetzt Sprecherin der Letzten Generation.

Carla Hinrichs, Sprecherin vom Aufstand der Letzten Generation, Berlin, 12.02.22
Carla Hinrichs wird von der Polizei von der Straße getragen nach der Blockade der A100 durch den Aufstand der Letzten generation. Westend, Berlin, 10.02.22

Motivation: Youtube

Bilder auf Flickr

Quelle: t-online: „Olaf Scholz versteht die Fakten einfach nicht“, 20.02.2022

Luisa Neubauer (1996)

Luisa Neubauer hat Fridays for Future Deutschland mit gegründet. FFF waren die ersten, die zivilen Ungehorsam geleistet haben, denn sie sind nicht in die Schule gegangen.

Luisa Neubauer beim Klimastreik von Friday for Future, Brandenburger Tor, Berlin, 25.03.2022

Wikipediaeintrag

Bilder auf Flickr

Lea Bonasera (25? Jahre, 1997?)

Lea Bonasera hat Internationale Beziehungen in Amsterdam und Oxford studiert und promoviert am Wissenschaftszentrum Berlin zu zivilem Ungehorsam. Sie war bei Extinction Rebellion aktiv und dann anfänglich als Sprecherin und gegen Ende selbst als Hungerstreikende beim Hungerstreik der Letzten Generation aktiv. Jetzt ist sie beim Aufstand der Letzten Generation.

Lea Bonasera vom Aufstand der Letzten Generation bei der Blockade der A100. Sie hat sich an die Straße geklebt. Berlin, Westend, 10.02.2022

Motivation: Youtube

Bilder auf Flickr

Quellen: Augsburger Allgemeine: Klimaaktivistin Lea Bonasera: „Die Grünen stehen nicht an unserer Seite“, 26.11.2021

nd: „Im Zweifel auch ins Gefängnis gehen“, 13.12.2021

Mephisto (

Mephisto war bei Extinction Rebellion aktiv, hat den Landtag in NRW besetzt und war dafür schon im Gefängnis. Nach dem August Rise Up von Extinction Rebellion nahm sie am Hungerstreik der Letzten Generation und danach an diversen weiteren Aktionen von Extinction Rebellion teil.

Lina Eichler und Mephisto von den Hungerstreikenden der letzten Generation bei der Pressekonferenz am 17. Tag des Hungerstreiks. Spreebogen, Berlin, 15.09.21

Bilder auf Flickr

Isabell Bungart

Isabell Bungart studiert an der FU Berlin Physik. Sie war bei diversen Fridays For Future-Demos, als Unterstützerin beim Hungerstreik der Letzten Generation, im zivilen Ungehorsam bei Extinction Rebellion und beim Aufstand der Letzten Generation.

Isabell Bungart im Klimacamp des Hungerstreiks der Letzten Generation, Berlin, Spreebogen, 21.09.2021
Isabell Bungart während der Räumung der Blockade von Extinction Rebellion durch die Polizei. Rebellen von Extinction Rebellion haben die Marschallbrücke blockiert, um auf den IPCC-Report hinzuweisen. Berlin, 05.03.22

Bilder auf Flickr

Carla Reemtsma (23 Jahre, 1998)

Carla Reemtsma studiert in Münster Politik- und Wirtschaftswissenschaften. Sie ist bei Fridays for Future aktiv und hat mit Extinction Rebellion im Oktober 2021 die SPD-Zentrale blockiert.

Carla Reemtsma von Fridays For Future spricht beim Klimastreik, Berlin, Brandenburger Tor, 22.10.2021
Pauline Brünger und Carla Reemtsma von Fridays For Future sprechen auf einem Traktor bei der Blockade der SPD-Parteizentrale bei einer gemeinsamen Aktion von Fridays For Future und Extinction Rebellion „Gerechtigkeit jetzt“, Berlin, 22.10.2021

Bilder auf Flickr

Quellen: Wikipedia

Greta Thunberg (2003)

Bilder auf Flickr

Quellen: Wikipedia

Lina Eichler (19 Jahre)

Lina Eichler (19), Schülerin aus Essen, hat ihr Abitur abgebrochen, um sich dem Kampf gegen die Klimakatastrophe zu widmen.

Lina Eichler nach Beendigung des Hungerstreiks, Berlin, Spreebogen, 21.09.21
Lina Eichler klebt sich bei der Blockade des BER durch den Aufstand der Letzten Generation auf der Straße an. Ein Polizist versucht das zu verhindern, ist aber zu langsam. Berlin-Schönefeld, 23.02.2022

Bilder auf Flickr

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Februar 2022

Prof. Dr. habil. Stefan Müller (1968, 2 Kinder)

Normalerweise benutze ich meine Titel nicht, aber hier muss es wohl sein. Ich habe Informatik studiert (4 Jahre an der Humboldt-Uni, inklusive Auslandsjahr in Edinburgh), in Saarbrücken in Informatik promoviert und dann in Computerlinguistik habilitiert. Dann Professuren in Bremen (Theoretische Linguistik und Computerlinguistik), an der FU Berlin (Allgemeine Sprachwissenschaft und Deutsche Grammatik) und jetzt an der HU (Sprachwissenschaft des Deutschen/Syntax). Ich war gewählter Vertreter im Fachkollegium Sprachwissenschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Fachvertreter werden alle vier Jahre von allen promovierten Wissenschaftler*innen eines Faches gewählt und entscheiden dann über die Annahme oder Ablehnung von Forschungsanträgen und die Bewilligung entsprechender Gelder. Ich bin seit 2014 Mitglied der Academia Europaea, Section Linguistic Studies.

Stefan Müller, Professor für deutsche Syntax an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktkandidat der Partei Die PARTEI für den Wahlkreis 242 Erlangen für die Bundestagswahl 2021, 14.08.2021, Bild: CC-BY Arne Reinhardt

Ich bin professioneller Musikphotograph (mit angemeldeter Nebentätigkeit). Veröffentlichungen in Spiegel, Zeit, Stern, taz und Berliner Lokalzeitungen. Große Sachen wie Metallica, Deichkind, Lindenberg, Westernhagen, Helge Schneider, Billy Idol und Abseitiges wie The Fall, COR, Deez Nuts, Exploited, DDR-Untergrund wie Herbst in Peking, Die Art, Sandow und die Firma. Seit dem dritten Streiktag von Fridays for Future fotografiere ich systematisch die Klimabewegung. Siehe hierzu die Alben auf Flickr.

Ich bin immer artig, mache, was die Polizei möchte, und leiste keinen Widerstand. Zivilen Ungehorsam oder so was Ähnliches habe ich aber doch betrieben. Mit meinen Kolleg*innen Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer, Prof. Dr. Gisbert Fanselow und Hartmut Ehler haben wir Researchstrejk gegründet. Wir haben von Mai 2019 bis 2020 jeweils Mittwochs eine Stunde gestreikt. Es gab Streiks an allen Berliner Unis, in Potsdam und in Leipzig. Bilder von allen Standorten auf der Seite climatewednesday.org und meine Bilder auf Flickr. Die Idee war, dass die Kids Freitags streiken, die Wissenschaftler*innen Mittwochs, die Sparkassenangestellten Montags usw. Weil das mit dem Streiken natürlich überhaupt nicht geht, schließlich sind wir ja Beamte, wurde das Ganze in Forschungsmittagspause umbenannt. Die Klimamittwoche endeten mit Corona. Es gab aber eine viel, viel bessere Fortführung von anderen: die Klimamontage (Bilder auf Flickr). Das war einmal im Monat und 18:00.

Weil Stefan Müller von der CSU seit 2002 das Direktmandat in Erlangen gewinnt, hatte Fridays for Future Erlangen die Idee, den Erlanger*innen einen alternativen Stefan Müller zu bieten. Die Partei Die PARTEI, Erlangen hat dann ein Stefan-MüllerX-Casting veranstaltet, das ich gewonnen habe. Da die SPD Anfang 2021 bei 12% lag, hat Martin Sonneborn erklärt, dass, wenn Kleinstparteien wie die SPD Kanzlerkandidat*innen stellen können, die Partei das auch könne. Er hat kurzerhand alle Direktkandidat*innen zu Kanzlerkandidaten gemacht.

Plakatierung für den Direktkandidaten der Partei Die PARTEI in Erlangen und Erlangen-Höchstadt: Stefan Müller, Erlangen, 27.08.21, CC-BY Marius Beyer

So kam es, dass ich letztendlich der einzige Kanzlerkandiat war, der auf die Forderung der Hungerstreikenden nach einem Gespräch vor der Wahl eingegangen ist. Und zwar schon am Tag sechs von 27 des Hungerstreiks (Bilder auf Flickr). Ich habe im Wahlkampf weder Kosten noch Mühen gescheut, weshalb ich auch die Etappe der Deutschlandtour von Ilmenau nach Erlangen gewonnen habe. Das ist ein Profi-Radrennen, der Wiesenbote berichtete. Letztendlich bin ich aber froh, dass ich nicht Bundeskanzler geworden bin. Mit dem Klima wäre ich fertig geworden (Meine Regierung hatte ich schon entsprechend zusammengetellt.), aber mit dem Krieg hätte ich als Pazifist so meine Probleme gehabt. Ich hatte zwar schon detaillierte Pläne, wie ich mit Putin verfahren wollte, aber die sind – wie ich nun einsehen muss – wenig realistisch und vielleicht nicht mal lustig.

Von all den Organisationen und Gruppierungen, die ich photographiert habe, bin ich nur in einer: Scientist for Future. Das ist die Organisation, die Fridays for Future wissenschaftlich berät und wissenschaftliche Vorträge hält. Ich habe da die bundesweite Campagne zum Verzicht auf Kurzstreckenflüge #unter1000 mitorgansiert. Zivilen Ungehorsam machen sie nicht. Bei den Großveranstaltungen von Fridays for Future bin ich im Photographenteam.

Fotograf*innen von Fridays for Future beim 10. Globalen Klimastreik, Invalidenpark, Berlin, 25.03.22

Das ist immer recht aufwendig organisiert, Routenplanung, Podeste. Die machen das sehr gut, ich bin nur ab und zu mal bei Sitzungen dabei gewesen.

Warum mache ich das alles? Warum photographiere ich mit großem Aufwand all diese Menschen? Ich weiß nicht, ob das, was sie tun und wie sie es tun, richtig ist. Ich weiß nicht, ob sie Erfolg haben werden, aber ich weiß, dass es sehr wichtig ist, etwas zu tun. Nichts unversucht zu lassen. Ich habe als Zwanzigjähriger den Hyperion von Hölderlin gelesen. Darin schreibt er:

Ihr entwürdiget, ihr zerreißt, wo sie euch duldet, die geduldige Natur, doch lebt sie fort, in unendlicher Jugend, und ihren Herbst und ihren Frühling könnt ihr nicht vertreiben, ihren Aether, den verderbt ihr nicht.

Hölderlin, 1797, Hyperion, Projekt Gutenberg

Er hat sich geirrt. Sehr. Bereits damals, als ich den Hyperion gelesen habe, war das Problem mit Treibhausgasen bekannt. Die Zeitung vermeldete einmal in der Woche neue Wetterrekorde. Diese Zeilen aus dem Hyperion haben sich mir deshalb eingeprägt.

Meine Schwester ist Meterologin. Sie hat am Südpol in der Forschungsstation überwintert (14 Monate), hat Eisborkerne angefertigt, mit denen man langfristige Entwicklungen im Klima nachweisen kann. Ich bin kein Fachmann auf dem Gebiet Klima oder angrenzenden Gebieten, aber ich bin Wissenschaftler, habe über all die Jahre viel gelesen und ich weiß und verstehe, dass wir mehr tun müssen, viel mehr als auch die jetzige Regierung tut. Ich habe Angst.

Quellen: Wikipedia, Erlanger Nachrichten, 12.09.2021

100 Tage Ampel: Gut oder nicht?

Malte Kreutzfeldt und Stefan Reinecke haben eine gute Schilderung der Regierungstätigkeiten in den ersten 100 Tagen verfasst. Wenn man sie liest, könnte man geneigt sein, zu glauben, es sei alles OK. Alle reden miteinander, Olaf Scholz sorgt für Ausgleich, die Koalitionspartner gehen aufeinander zu.

Man könnte sich fragen, was diese komischen Klima-Chaoten denn noch wollen, die Grünen regieren ja schon mit und es geht in die richtige Richtung.

Aber nach 100 Tagen ist der CO2-Ausstoß noch weiter gestiegen. CDU und SPD mussten sich vom Bundesverfassungsgericht sagen lassen, dass ihre Politik verfassungswidrig war. Dann gab es blitzschnell noch vor den Wahlen ein Klimagesetz. Nun werden die gesetzten Klimaziele verfehlt. Im Bereich Energie und Heizung (klar geht nicht in 100 Tagen) und im Bereich Verkehr. D.h. dass die neue Regierung hier auch nicht verfassungskonform handelt.

148 Millionen Tonnen Kohlendioxid haben Deutschlands fossil betriebene Autos, Lkws und Loks verursacht, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Das sind 3 Millionen Tonnen mehr, als das Klimaschutzgesetz dem Verkehrswesen für 2021 zugesteht.

Susanne Schwarz: Daten des Umweltbundesamts: CO2-Emissionen wieder gestiegen, taz, 15.03.2022

Es ist klar, dass eine ganz einfache Sache, nämlich das Tempolimit, an der FDP liegt. Und hier sieht man recht deutlich die Grenzen unseres Demokratischen Systems. Die FDP wurde wegen ihrer verkorksten Haltung gewählt (Freiheit und so). Sie kann davon nicht ohne Schaden abrücken. Das kann man nur reparieren, indem man die Demokratie erweitert und verbessert, nämlich durch Bürgerräte. Diese finden CDU (Wolfgang Schäuble, Horst Köhler), SPD, Grüne und FDP toll und sie stehen sogar im Koalitionsvertrag. Wenn einem wirklich an der Lösung der Klimaprobleme gelegen wäre, dann müsste man diese Bürger*innenräte als erstes angehen. Damit könnte man Maßnahmen eines Klimabürgerrates umsetzen, die auf 80% Zustimmung in der Bevölkerung stoßen. Es hat bereits ein solcher stattgefunden und die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden evaluiert. Sollte die jetzige Regierung das irgendwie anzweifeln, könnte sie die nötigen Schritte wiederholen.

Die Bürger*innenräte einzuführen, bedeutet Macht abzugeben. Es bedeutet aber auch Macht zu gewinnen, nämlich handlungsfähig zu werden angesichts einer globalen Katastrophe, in die wir gerade hineinsteuern.

So lange diese Räte nicht eingerichtet werden, werden die nötigen Schritte nicht erfolgen und deshalb haben Bewegungen wie Extinction Rebellion, Scientist Rebellion und der Aufstand der Letzten Generation, die allesamt solche Bürger*innenräte fordern, ihre Berechtigung und werden auch nicht aufhören zu nerven.

Aufs Land mit dem ÖPNV?

In der taz gab es vor kurzem einen Artikel, in dem die Autorin Friederike Gräff beschrieben hat, wie sie mit ÖPNV von Hamburg-Eimsbüttel nach Vierden kommt (taz, 11.10.2021). Sie braucht dazu 3 Stunden und 40 Minuten mit fünf Mal umsteigen. Ziel ihrer Reise ist ein Wochenendgrundstück, also Erholung. Sie hat sich zum Erreichen des Ziels ein Auto gekauft. Mit dem Auto kann sie die 50 km in 45 min zurücklegen. Der Artikel ist interessant, weil er den Istzustand der Verkehrsanbindung auf dem Land beschreibt. Daran gilt es vieles zu verbessern, so dass auch Menschen auf dem Land auf das Auto verzichten können. Vielleicht vorerst nicht komplett, aber es ist ja schon etwas gewonnen, wenn einzelne Fahrten unterbleiben können.

ÖPNV + Rad

Ansonsten ist die Frage, ob man mit einer Kombination aus Rad und Bahn die Strecke nicht besser bewältigen könnte. Zuerst gibt es natürlich die Möglichkeit, die ganze Strecke zu fahren. Da die Entfernung nur 50 km beträgt, kann man die Strecke bequem in drei Stunden zurücklegen, ist also noch schneller und billiger als mit der Bahn dort (und billiger als mit dem Auto). Wenn es darum geht, sich zu erholen, dann ist eine Radfahrt Teil der aktiven Erholung. Kinder kommen in den Hänger oder fahren ab einem gewissem Alter selbst. Weniger fitte Menschen können ein E-Fahrrad benutzen.

Alternativ kann man von der Station Emilienstraße Tostedt mit einem Mal Umsteigen in 50–55 Minuten erreichen. (fährt alle 30 Minuten von früh bis spät auch am Wochenende)

Von dort sind es nur noch 23,7km oder 1h 20min mit dem Rad.

Kosten

Friederike Gäff schreibt, dass sie nicht viel Geld hat. Autos sind teuer. Abgesehen von der Anschaffung und von Wartungskosten gibt es einen Wertverfall und man bezahlt Steuern, Versicherung und Sprit. Für dieses Geld kann man genauso E-Räder oder (E-)Lastenräder anschaffen. Dafür fallen keine Steuern an und die Wartungskosten sind vergleichsweise gering. Hier habe ich die Kfz-Kosten mal zusammengestellt.

Alles sofort und schnell

Friederike Gräff beschreibt die wirklich recht abenteuerliche Tour mit mehreren Bussen und kommt zum Schluss, dass man nur als nicht arbeitender Mensch mit dem öffentlichen Nahverkehr zurecht (bzw. nach Vierden) kommt:

Die Busfahrerin von Bus 865 wünscht uns noch einen schönen Tag, als sie uns vor der Mühle absetzt. Nach 3 Stunden 40 Minuten sind wir am Ziel. Es ist möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Mühle zu kommen. Man muss nur in der Lage sein, sein Leben darauf einzustellen und eine Existenz als Privatier führen. Wir setzen uns auf die Wiese und betrachten die Bäume, die sich zueinander neigen. Aber nur kurz: Man darf nicht länger als zwei Stunden bleiben, wenn man noch am selben Tag zurück nach Hause kommen will, der letzte Bus fährt um 16.09 Uhr.

Friederike Gräff, Verkehrswende auf dem Land: Man muss auch warten können, taz, 11.10.2021

Dieser kurze Textauszug zeigt meiner Meinung nach aber schon recht klar das Problem: Wieso muss man denn mal einen Tag schnell nach Vierden und abends wieder zurück? Ist das nicht derselbe Wahnsinn, wie mal eben schnell nach Barcelona zum Einkaufen zu fliegen oder zu einem Konzert nach London? Ist Goethe mal schnell nach Rom und wieder zurück? Nein, er blieb dort vier Monate, fuhr dann nach Neapel, blieb dort fünf Wochen, dann Sizilien und dann noch mal ein Jahr Rom. Für die Wochenenderholung könnte man also Freitag Abend mit Rad und Bahn nach Vierden fahren und dann am Sonntag wieder zurück.

Lebenswerte Städte

Aber eigentlich liegt das Problem noch viel tiefer, wie die folgenden Zitate zeigen:

Ich bin dort, um auf der Wiese auf der Bank zu sitzen und auf die Baumreihe gegenüber zu schauen, wo sich drei Bäume zueinander neigen, als seien sie müde und trostbedürftig. Ich bin dort, weil ich hier nicht jedes Mal, wenn die Kinder kreischend hintereinander herlaufen, fürchte, dass die Nachbarn hochkommen, um sich zu beschweren. Ich nutze das Land als Pause, als Kulisse meiner Pause.

Letztlich haben wir ein Auto gekauft, einen uralten Benziner. Autobesitzerin zu sein, fühlt sich an wie eine Kapitulation. „You are not stuck in traffic. You are traffic“ steht auf einem Transparent an einem Haus, an dem vorbei ich zur Arbeit radle, und jedes Mal, wenn wir auf dem Weg zur Mühle im Stau stehen, denke ich daran.

Friederike Gräff, Verkehrswende auf dem Land: Man muss auch warten können, taz, 11.10.2021

Das Auto wurde also nur angeschafft, um den Kindern eine Möglichkeit zu geben, sich auszutoben. Ansonsten steht es in der Stadt rum. Wenn es benutzt wird, erzeugt es Stau.

In meiner Kindheit war es so, dass die Straßen frei waren, weil es viel weniger Autos gab. Man konnte auf der Straße mit dem Ball spielen und diesen an der Bordsteinkante abprallen lassen, weil dort keine Autos standen. Das Ziel müsste also eigentlich sein, lebenswerte Städte mit viel mehr Grün und Spielflächen zu haben, so dass diese Fahrten überhaupt nicht nötig sind. Natürlich gibt es Gründe für diese Fahrten in der anderen Richtung vom Land in die Stadt, weshalb die Fahrten natürlich prinzipiell möglich sein sollten und entsprechende Angebote gemacht werden sollten.

Mentalitätswandel

Friederike Gäff verlinkt einen früheren Artikel ihres Hamburger Kollegen Gernot Knödler und der bringt es auf den Punkt! Erstens brauchen wir die Fortbewegungsart Rad+ÖPNV auch in den Planungstools. (Für mich war es ohne Ortskenntnis ein Abenteuer die nächstgelegene Bahnstation in der Umgebung von Vierden zu finden) und zweitens müssen wir selbst uns alle umstellen:

Wenn es darum geht, Verkehrsmittel miteinander zu verknüpfen, werden elektronische Systeme eine wichtige Rolle spielen, mit denen sich Angebote finden und buchen lassen. Sie müssen möglichst einheitlich und einfach zu bedienen sein. Für alle, die sich mit dem Smartphone oder Computer schwer tun, müsse zudem eine analoge Buchung, etwa per Telefon, möglich sein, fordert das „Bündnis sozialverträgliche Mobilitätswende“.

Das Bündnis, zu dem Umwelt- und Sozialverbände ebenso wie Gewerkschaften gehören, weist auch darauf hin, dass die Verkehrswende ohne einen Mentalitätswandel nicht zu schaffen sein wird. Dazu gehöre „ein kritisches Hinterfragen von Konsumgewohnheiten, die das Verkehrsaufkommen erhöhen“, Beteiligung und Mobilitätsbildung für alle Altersklassen.

„Es muss“, so das Fazit, „an vielen Schrauben gedreht werden.“

Gernot Knödler, Wie Klimaschutz im Verkehr funktioniert: Ein Leben ohne Auto, taz, 13.08.2021

Mir ist es zu einfach, wenn immer wieder betont wird, dass das Individuum nicht für irgendetwas verantwortlich gemacht werden könne. Ja, es ist schwierig, wenn man alle mitnehmen will, aber irgendwann und irgendwer muss anfangen. Jetzt!

Nachtrag: Veganer gegen Vegetarier

Mir ist klar, dass dieser Blog-Post ein bisschen komisch ist. So wie die Diskussion von Veganern mit Vegetariern. Wir sollten uns wohl lieber mit Rindfleischgrillmeister*innen und SUV-Fahrer*innen streiten, aber manche Punkte kommen mir einfach bei solchen Leider-Leider-Artikeln hoch.

Deinvest

In der taz stand ein Artikel über den politischen Investor Enkraft Capital, der RWE-Aktien gekauft hat, um den Konzern zu beeinflussen. Wie Beispiele aus den USA zeigen hat der Investor mit 500.000 Anteilen (16,4 Mio Euro) eine hörbare Stimme. Er fordert eine Trennung vom Braunkohlegeschäft und Fokussierung auf erneuerbare Energien.

STOP RWE Verkehrsschild in Berlin Kreuzberg, 25.06.2019, Bild: Stefan Müller, CC-BY

Es gibt einen interessanten Unterschied zwischen der Print-Ausgabe der taz und der online verfügbaren Version. In der Print-Ausgabe werden andere Investoren erwähnt. So hält wohl die Fondsgesellschaft DEKA 0,9% an RWE und Union Investment 1%. DEKA ist das Wertpapierhaus der Sparkassen (Wikipedia). Wenn man als Sparkassenkund*in mit seinem Bankberaterin über Anlageformen spricht, bekommt man ein DEKA-Depot und DEKA-Fonds angeboten. Und wenn man nicht aufpasst, bekommt man auch RWE und Freunde ins Depot.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass man die netten Finanzberater von der Sparkasse nicht unbedingt braucht. Man kann seine Fonds in einem online-Depot unterbringen und dann über einen Online-Händlerin Fonds direkt und zum Teil auch ohne Ausgabeaufschlag kaufen. In der Zeitschrift finanztest, die von der Stiftung Warentest unabhängig herausgegeben wird, findet man Fondbewertungen und auch Themenschwerpunkte zum ökologischen Investieren. Es gibt Fonds, die fossile Energie, Atomenergie, Waffen, Drogen usw. ausschließen. Es gibt sogar Fonds, die auf Klima-Themen spezialisiert sind.

Ich habe hier mal einen herausgegriffen und zeige die Wertentwicklung im Vergleich zum DAX-30 und zum MSCI World in den letzten fünf Jahren:

Also: Wenn Ihr Geld habt, dann spendet es an die Umweltorganisationen oder wenn Ihr es sparen wollt, dann investiert es ins Klima bzw. in entsprechende Technologien und nicht in Kohle, es sei denn Ihr macht bei Stänkervereinen mit, die Auto- oder Kohlefirmen ärgern.

Deinvest: Kein Geld mehr für Kohle, Öl und Gas, Demonstration von Extinction Rebellion von der CDU-Zentrale zur Parteizentrale der Grünen, Berlin, 17.08.2021, Bild: Stefan Müller, CC-BY

Klimabewegung: “Freut Euch doch auch mal”

Malte Kreuzfeldt schreibt in seinem Artikel Gefährliche Fixierung auf das 1,5°-Ziel in der taz kurz vor dem globalen Streik mit dem Motto : Die Klimabewegung sollte nicht ein unerreichbares Ziel zum einzigen Entscheidungsmaßstab machen. Sonst wird sie sich nie über Erfolge freuen können.”

Berlin4Future: Aktivist*innen von FFF werben für den globalen Klimastreik am 25.09.2020 auf der Montagsdemo für Klimaschutz von Berlin4Future, Berlin, Alexanderplatz, 07.09.20

Diese Aussage zeigt mir, dass er Fridays For Future als politischen Akteuer nicht ernst zu nehmen scheint. Er lindnert, nur eben von der anderen Seite. Man stelle sich folgendes Statement in einer Zeitung vor: Die Deutsche Umwelthilfe/Changing Cities/XY sollte sich nicht auf unerreichbare Ziele wie autofreie Innenstädte fixieren. Wenn sie nur dieses Ziel haben, können sie sich gar nicht über PopUp-Radwege freuen.

Schaut man sich eine beliebige Tagesschau-Sendung nach der Fassung eines beliebigen Regierungsbeschlusses an, bekommt man immer Statements aus der Opposition, in denen irgendetwas kritisiert wird. Wenn es nichts zu kritisieren gibt, wird kritisiert, dass der Beschluss zu spät kommt. Würde man dann sagen: Hey, entspannt Euch, freut Euch doch, dass es endlich geklappt hat.?

FFF ist die außerparlamentarische Opposition und die Aufgabe von FFF ist es, die Erwachsenen, die Berufspolitiker darauf hinzuweisen, dass das Pariser Abkommen im Bundestag einstimmig beschlossen wurde und dass entsprechend gehandelt werden muss. Das sind die Verträge. Wozu gibt es sie?

Malte Kreuzfeldt schreibt, dass es sein kann, dass wir das 1,5°-Ziel nicht erreichen. Klar. Das sagen die FFFs und die Scientists for Future auch. Immer wieder. Jeden Tag. Und es gibt die verschiedenen Szenarien für 1,5°, 2°, 3° usw. Eins schrecklicher als das andere. Alle wissen das und im Klimakampf geht es darum, zwei und mehr Grad zu verhindern. Wir sind jetzt bei 1,2° und der Hash-Tag des letzten großen Klimastreiks war . Wir wollen und dürfen nicht zu 2,2° kommen. Das Pariser Abkommen, das auch die Bundesregierung einstimmig beschlossen hat, spricht von deutlich unter 2°. Bei zwei Grad sind die kleinen Inselstaaten weg. Deshalb wurde das verbindliche 2°-Ziel in deutlich unter 2° geändert. Was auch immer das bedeuten mag.

Wir brauchen Fridays For Future und auch Extinction Rebellion als außerparlamentarische Opposition, die sich radikal für Klimafragen einsetzen und radikale Forderungen stellen. Die Transition unserer Gesellschaft in eine klimakompatible wird einigen wehtun. Deshalb müssen die Stimmen, die sich dafür einsetzen laut und hörbar sein. Politiker*innen der einen Sorte müssen wissen, dass sie mit Lobbypolitik für Minderheiten nicht mehr durchkommen und Politiker*innen der anderen Sorte müssen spüren, dass es in der Bevölkerung Mehrheiten für klimakompatibel Politik gibt. Es reicht nicht aus, wenn die Grünen eine CO2-Steuer von 40€ pro Tonne CO2 fordern, sondern wir brauchen eine Steuer von 180€ oder mehr, die den vom Bundesumweltamt berechneten Schäden entspricht. Das bekommen wir aber nicht, wenn wir uns über das Erreichte freuen (was wir auch ab und zu heimlich tun).

Aber die Übernachtung!

Bei der Diskussion der Selbstverpflichtungsaktion von Scientists4Future zum Verzicht auf Kurzstreckenflüge kommt mitunter das Argument, dass bei der Benutzung der Bahn unter Umständen ein oder sogar zwei Hotelaufenthalte nötig werden. Da das aber auch CO2 verursacht, wäre am Ende nichts gewonnen. Dieses Argument ist falsch. Ich möchte das am Beispiel Stuttgart–Hamburg mal durchrechnen.

Das Hotel

Ich selbst fahre immer mal wieder nach Bonn. Mit dem Flugzeug wäre es möglich, früh hin und abends zurückzufliegen. Da ich Bahn fahre, würde ich den Sitzungsbeginn verpassen, weshalb ich einen Tag vorher anreise. Es fällt also eine Übernachtung an. Da die Sitzung meistens bis 16:00 oder 17:00 dauert, schaffe ich noch einen Zug zurück. Für Hamburg–Stuttgart würde das je nach Sitzung eventuell nicht klappen, so dass zwei zusätzliche Übernachtungen nötig würden. Frage: Wie sieht dann die Klimabilanz aus?

Antwort: Es ist schwierig. Wie die Klimabilanz eines Hotels aussieht, hängt von sehr vielen Faktoren ab: Hat das Hotel Öko-Strom? Gibt es eine Sauna? Swimmingpool? Wie oft wird die Wäsche gewechselt? Wie arbeitet die Wäscherei? Wie gut ist das Gebäude isoliert? Wie wird geheizt? Wie hoch ist die Auslastung des Hotels? Wie groß ist die Zimmergröße? Wie lang sind die Anfahrtswege der Hotelangestellten?

Für die Berechnung der CO2-Emissionen von Geschäftsreisen gibt es einen Standard vom Verband deutsches Reisemanagement e.V. Die Formeln für den Jahresausstoß eines Hotels und den Ausstoß pro Übernachtung zeigt die folgende Abbildung.

CO2-Ausstoß eines Hotels pro Jahr nach VDR-Standard
Variablen für die Berechnung des CO2-Ausstoßes nach VDR-Standard

Ich habe lange gebraucht, im Web Durchschnittswerte zu finden, und bin dann auf die folgenden Angaben von 2014 gestoßen.

KategorieCO2-Emmission
0–2 Sterne24,7 kg
3 Sterne16,9 kg
4 Sterne21,0 kg
5 Sterne47,6 kg
CO2-Emission nach Hotlklasse DEHOGA Energiekampagne, Erhebungen der DEHOGA Landesverbände, Umwelterklärungen, Stand: 2014

Da sich inzwischen energiesparende Beleuchtung durchgesetzt haben dürfte, Geräte effizienter geworden sind und auch der Ökostrom-Anteil am allgemeinen deutschen Strommix größer geworden ist, kann man davon ausgehen, dass der CO2-Impakt von Hotels in Wirklichkeit (im Schnitt) kleiner ist. Sollte jemand aktuellere Zahlen haben, wäre ich für einen Hinweis dankbar.

Auf klimabewußte KundInnen ausgelegte Hotels können den Ausstoß nach Biohotels.de sogar auf 10kg/Nacht reduzieren.

Flug und Zug

Laut atmosfair beträgt die CO2-Belastung für die Strecke Stuttgart–Hamburg bei Hin- und Rückflug 211kg CO2 (Für Germanwings geben sie 347kg und eine durchschnittliche Airline 272kg an). Ich habe dabei angenommen, dass auf dieser Strecke ein Airbus A320 unterwegs ist (zur Zeit fliegt nur Eurowings und laut Eurowings: Technik & Flotte ist der A320 das Flugzeug, das sie am häufigsten einsetzen).

Laut CO2-online beträgt der CO2-Ausstoß für die Hin- und Rückreise mit dem ICE 39kg. Dabei hat CO2-online den durchschnittlichen deutschen Strommix unter Berücksichtigung des Ökostromanteils, den die Deutsche Bahn verwendet, angesetzt. Die Deutsche Bahn verwendet für ihr gesamtes Angebot zu 60% Ökostrom und gibt aber an, dass sie im Fernverkehr ausschließlich Ökostrom benutzt. Damit wäre die CO2-Emission für die reine Fahrleistung Null.

Nimmt man den Ökostrom, den die Bahn im Fernverkehr verwendet, ist der CO2-Ausstoß für ICEs unschalgbar gering. Selbst wenn man den Strommix, den die Bahn verwendet (60% Ökostrom), zugrundelegt, liegt die Bahn weit unterhalb von Flugzeugen und Pkws.

Je nach dem, wie man das nun sehen will, hat die Bahn auf der Strecke Stuttgart–Hamburg also einen Ausstoß von Null oder eben 39kg. Setzt man Null an, liegt der CO2-Ausstoß von Bahn-Reise + zwei Übernachtungen bei einem Sechstel (16%) des minimalen CO2-Ausstoßes für den Flug. Setzt man 39kg an, so ist die Bahnreise + zwei Übernachtungen immer noch bei einem Drittel (35%) des Fluges. Das zeigt die folgende Tabelle im Überblick.

Bahn kg CO2Flug kg CO2Bahn in %
Öko02110
Öko+1172118
Öko+23421116
Mix3921118
Mix+15621127
Mix+27321135
Öko03470
Öko+1173475
Öko+2343479
Mix3934711
Mix+15634716
Mix+27334721
Vergleich des CO2-Ausstoßes für Bahnreise vs. Flug bei Annahme von 100% Ökostrom bzw. Strommix mit 60% Ökostrom und jeweils keiner, einer oder zwei zusätzlichen Übernachtungen in einem 3-Sterne-Hotel

Rechnet man das Ganze mit den 374 kg, die bei atmosfair als Wert für germanwings angegeben wurden, sieht alles noch verheerender aus: Selbst mit zwei Übernachtungen und Berechnung des Strommixes liegt die Bahn bei einem Fünftel des Flugzeugs.

Schlussfolgerung

Da das Bundesreisekostengesetz dahingehend geändert wird, dass Klimaaspekte bei Reisen zu berücksichtigen sind und da auch teurere Bahnfahrten und Tagegeld erstattet werden, gibt es je nach Strecke nur noch einen Grund zu fliegen: Es ist bei sehr langen Strecken schneller und man ist eher wieder zu hause (ein Reisezeitvergleich Bahn vs. Flugzeug zeigt, dass das bei den meisten Kurzstreckenflügen nicht der Fall ist). Bei WissenschaftlerInnen mit Familie kann die kürzere Reisezeit ein wichtiger Faktor sein, aber man sollte sich auch bei allen organisatorischen Problemen überlegen, ob man das zukünftige Wohl der Kinder dafür opfern möchte, dass man mit ihnen zwei bis vier Abende/Morgende gemeinsam verbringen kann.