Wut als Energiequelle

Heute wünscht sich Nina Apin in der taz einen Wutantrieb für Maschinen. Aber den gibt es schon längst! Bei Spuk Unterm Riesenrad regt sich das Rumpelstilzchen auf und treibt damit einen Staubsauger an, mit dem die Märchenfiguren dann fliegen.

Leider ist die Auflösung schlecht, aber Rumpelstilzchen hat den Stecker des Staubsaugers in der Nase und seine Wut treibt das Wutflugzeug an. Youtube-Trailer

Das ist überhaupt die Lösung für alles! #GrünesFliegen mit normalen Flugzeugen wird ja erst 2050 (Industrie) oder 2060 (wir) kommen, aber bis dahin können wir Staubsauger dafür nehmen. Ich würde gern mit @c_lindner fliegen. Ich würde ab und zu #Verzicht und #Verbote sagen und schwuppdiewupp wären wir da. Wenn wir irgendwie mal schnell durchstarten müssen, sage ich leise „#Tempolimit“.

Man stelle sich auch das #Innovationspotential vor: Man könnte erforschen, welche Staubsauger sich am besten zum Fliegen eignen, wo das Optimum von Staubsaugergröße, Passagierzahl, Wutaufwand usw. liegt. Natürlich alles total #technologieoffen: Sowohl Modelle mit Beutel als auch solche ohne sollte man weiter untersuchen.

Nun hat Herr Lindner sicher nicht so viel Zeit und bisher können auch nur wenige Passagiere mitfliegen (Ist der/die Reizende dann eigentlich Ko-PilotIn oder Passagier? Na, vielleicht ist es billiger, wenn man den Antrieb selber machen muss.), aber die FDP hat ja 64.350 Mitglieder. Sollten die nicht reichen, können wir auch auf die #noAfD zurückgreifen. Da sind noch mal 33.651 drin. Das Fliegen mit denen ist dann nicht so langweilig, weil man außer #Verbote und #Verzicht auch noch #Klimawandel als Antriebswort verwenden kann.

Es gibt natürlich ein Problem, denn die Flugstaubsauger müssen ja wieder an den Abflugort zurück. Das ließe sich recht einfach lösen, wenn man wie Lindner’s Kollegen aus Österreich, die Arbeitszeit auf 12h pro Tag ausdehnen würde. Natürlich total freiwillig. Dann könnte ein Wutflieger am selben Tag noch hin und zurück fliegen.

Ach, Quatsch, das geht ja noch viel besser: Wir lieberalisieren den Flugmarkt einfach komplett! Jeder kann einen Staubsauger bedienen! Wir machen das über die App: Wer will, bestellt sich einen FDPler oder AfDler per App nach Hause und der fliegt dann, so lange wie er eben kann.

Und auch das #BER-Problem wäre dann gelöst, denn wir bräuchten keine Flughäfen mehr und könnten auch endlich #tegelschliessen.

Ich sollte jetzt aufhören, aber es ist gerade so schön. Auch Politikerflüge könnte man so organisieren. Normalerweise fliegt ja genau eine Politikerin mit einem Piloten. Das könnte man verbessern, indem immer zwei PolitikerInnen zusammen fliegen und sich gegenseitig abwechseln. Grüne fliegen mit der #noAfD, #CDU mit der Linken, bei der FDP setzen wir einen von der Partei hinten drauf (FDP muss die ganze Zeit fliegen, weil die PARTEI nie wütend wird). Und SPD ist egal, die sind eh schon abgestürzt.

Hardwired … to self-destruct

Das folgende Video von Metallica hat über 45 Mio Aufrufe. Da es unwahrscheinlich ist, dass ein Benutzer allein es so oft gesehen hat, folgt daraus, dass viele, viele Leute es gesehen haben.

Metallica 2016. Hardwired … aus dem Album Hardwired … to self-destruct.

Das ist der Text:

In the name of desperation
In the name of wretched pain
In the name of all creation
Gone insane
We’re so fucked
Shit outta luck
Hardwired to self-destruct
GO!
On the way to paranoia
On the crooked borderline
On the way to great destroyer
Doom design
We’re so fucked
Shit outta luck
Hardwired to self-destruct
OH!
Once upon a planet burning
Once upon a flame
Once upon a fear returning
All in vain
Do you feel that hope is fading?
Do you comprehend?
Do you feel it terminating?
In the end
We’re so fucked
Shit outta luck
Hardwired to self-destruct
Hardwired to self-destruct
Self-destruct
Self-destruct
Self-destruct

Metallica, Hardwired, 2016

Ich frage mich, was die Zuschauer gedacht haben, als sie das Video gesehen haben. Na, das kann man in den Youtube-Kommentaren lesen. Es geht darum, ob das echter Trash Metal ist oder nicht und ob sie es live schneller spielen.

Metallica: Lars Ulrich (Schlagzeug) und James Hetfield (Gesang, Gitarre) live im Olympiastadion, Berlin, 06.07.19

Das Interessante an diesem Text ist, dass er wahr ist: Erstens sind wir gefickt und zweitens ist die Tatsache, dass wir alles ignoriert haben, bis es fast zu spät ist, in unserem Genom fest verdrahtet. Die Psychologists For Future und die Neurowissenschaftler erklären uns das: Der Neurobiologe Dr. Sébastien Bohler erklärt in seinem Artikel Bewusster leben, dass unser Gehirn so aufgebaut ist, dass wir früher einen Auslesevorteil hatten und all die Jahrtausende überleben konnten. Wir erhalten kleine Belohnungen (Dopamin-Kicks) für Essen, Fortpflanzung, Machtgewinn, geringe Energieaufwendung und sammeln so viele Informationen über unsere Umwelt wie möglich. (Essen, Sex, Faulheit, Rock’n’Roll. Na ja, Rock’n’Roll kommt in dem Artikel nicht vor.)

Das war eine großartige Hardware, um tausende und aber tausende von Jahren am Leben zu bleiben, leider ist nun diese Hardware gerade für unser Versagen verantwortlich. Dem Artikel zufolge sterben mehr Menschen an Überernährung als an Unterernährung. In der Vergangenheit war es kein Vorteil, Lebensmittel für später zu sparen. Vielleicht könnte es jemand anderes nehmen. Also haben wir es lieber sofort gegessen. Unser Gehirn ist nicht so konstruiert, dass wir uns um die Zukunft zu sorgen und dementsprechend handeln. Es gibt einfach mehr Kicks für das schnelle kleine Glück.

Nun gibt es interessante Ergebnisse von Neurologen: Sie haben Experimente gemacht, bei denen sie den Probanden Geld gaben und sie baten, es mit einer anderen, unbekannten Person im nächsten Raum zu teilen oder das Geld zu behalten. Das Interessante ist, dass Frauen anders als Männer handelten: Die Frauen teilten das Geld häufiger und diejenigen, die es teilten, bekamen Dopamin-Belohnungen im Gehirn. Männer bekamen die Belohnungen für das Behalten des Geldes. Die Hypothese ist, dass Frauen dieses Verhalten in ihrer frühen Kindheit gelernt haben, während Männer dazu erzogen wurden, aggressiv und wettbewerbsfähig zu sein.

Die gute Nachricht ist: Vielleicht ist ja nicht alles in unseren Köpfen fest verdrahtet und ein Teil davon ist auf Erziehung zurückzuführen. Wie bekommen wir unsere Kicks? Beim Behalten oder beim Teilen? Können wir unsere Gewohnheiten ablegen/ändern? Ja, sagt Dr. Bohler. Menschen, die zu viel essen, können ihre Essgewohnheiten ändern, indem sie sich mehr Zeit nehmen und bewusster essen. Dasselbe gilt für andere Lebensbereiche. Brauchen wir dieses neue Auto? Wozu? Zum Vorzeigen? Wir können unsere Gewohnheiten ablegen, bewusster sein und uns unserer Zukunft stellen. Denkt darüber nach und handelt entsprechend.

Sobald wir bereit sind, uns der Klimakrise zu stellen, stellt sich die Frage: Was können wir tun? Wo ist der Ausweg? Derzeit ist das Wichtigste, das, was wir alle tun können, mit unseren Politikern zu sprechen und sie wissen zu lassen, dass die Dinge, die sie tun, nicht ausreichen und dass sie ihre verdammten Arsch bewegen müssen, aus der Kohle aussteigen, in erneuerbare Energien investieren, die Subventionierung von Flugreisen einstellen und so weiter. Wir sollten FridaysForFuture unterstützen und an ihrer globalen Klimaaktion am Freitag 20.09.2019 teilnehmen! Schaut Euch die Orte, wo sie aktiv sind, an und wenn nichts in Eurer Nähe passiert, macht selber was. Wir sehen uns am Freitag!

PS: Noch ein Song-Text:

I don’t wanna be rejected
I don’t wanna be denied
And it’s not my misfortune
That I’ve opened up your eyes

Freedom is given, speak how you feel
I have no freedom, how do you feel?
They can lie to my face but not to my heart
If we stand together it will just be the start

If the kids are united!
They will never be divided!

Tja, die Kids von heute kennen diesen Song wahrscheinlich nicht, aber lasst uns ihnen trotzdem helfen. =:-)

Punks for Future, Berlin, 2019-03-13

Redet!

Eine gute Bekannte von mir berichtete geknickt von einem Geburtstag. Eine Frauenrunde im Prenzlauer Berg im August. Alle berichteten von ihren Urlauben und alle, alle bis auf meine Bekannte sind in den Urlaub geflogen. Ich habe sie gefragt, ob sie etwas gesagt hat. Die Antwort war: „Nein, die würden mich doch nie wieder einladen.“

Der Comic-Zeichner Ralf Ruthe berichtet auf Twitter über ähnliche Situationen:

Am Sonntag war ich mit den Zwillingen und unserem neuen AuPair Laura in einem Park. Als es anfing zu regnen, „retteten“ wir uns auf eine Bierbank unter einen großen Gastro-Sonnenschirm, zusammen mit ca. 10 anderen Personen. Es regnete eine ganze Weile lang und irgendwie war es ziemlich gemütlich mit dieser kleinen, zufällig zusammengewürfelten Gruppe Menschen. Ein kleiner Querschnitt durch die Gesellschaft, eine freundliche, geschützte Mini-Welt. Man lächelte sich zu und mümmelte seine schnell noch gekauften Pommes.

Ralph Ruthe (@ralphruthe) September 13, 2019

Er beschreibt eine Szene, in der er einer Kolumbianerin Auskunft darüber geben wollte, ob es hier immer so lange regnet. Er sprach über Klimawandel und alle Gespräche um ihn herum kamen zum Erliegen. Betretenes Schweigen, Isolation, Ignorieren. Eine zweite Szene, die er beschreibt, ist ein Essen mit vielen Personen, unter denen eine mit rassistischen Argumenten in die Klimadiskussion ging. Genauso wieder in der Runde: Schweigen.

Diese zwei Erlebnisse waren für mich wie ein Schlag in den Nacken. Ich bin schockiert darüber, wie wenig die Klimakrise anscheinend außerhalb der Titelseiten von Zeitschriften und Nachrichtenseiten kommuniziert wird. Ich bin entsetzt, wenn ich mir vorstelle, dass an Küchentischen, in Firmenkantinen und in Bürokaffeeküchen nicht darüber geredet wird, weil die Leute vielleicht Angst haben, dass es die gemütliche Stimmung kaputt macht – obwohl genau das zwingend nötig wäre.

Ralph Ruthe (@ralphruthe) September 13, 2019

Ich habe ähnliche Erfahrungen bei einer Diskussion um eine Klassenfahrt gemacht, bei der eine Option eine Flugreise nach Neapel und eine eine Zugreise an die Ostsee war. Erklärtes Ziel der SchülerInnen: Gepflegt am Strand abhängen. Die meisten Eltern in der Klasse haben das Problem mit der Flugreise nicht verstanden bzw. nicht als ernstes Problem wahrgenommen. Nur eine Mutter hat mich indirekt in der Diskussion auf dem Elternabend unterstützt. Die Diskussion ging dann per Email weiter und nahm epische Ausmaße an. Highlights:

  • Das Flugzeug fliegt ja sowieso. (Diskussion dieses Arguments)
  • Wenn es in Zinnowitz kalt wird, müssen die heizen und das verbraucht CO2. (im Juni!)
  • Wenn die SchülerInnen in Neapel sind können sie dort Früchte essen, die dort wachsen, in Zinnowitz sind die schlecht wegen CO2.

Die Diskussion gipfelte dann in einer Email, in der ein Vater meinte, dass es doch nicht so schlimm wäre, wenn ein paar Millionen Menschen hopps gingen, es wären ja eh zu viele.

Ja, FridaysForFuture macht diese heile Welt, in der niemand dem anderen zu nahe tritt, kaputt. Die Jugendlichen hinterfragen unseren Alltag. Plötzlich muss man sich als Erwachsener die Frage gefallen lassen, ob es ok ist, jedes Jahr in den Urlaub zu fliegen. Oder mal für ein Wochenende nach Paris/London/Tallin. Oder noch irrer: von Berlin nach Frankfurt oder Stuttgart. Und ja: Wir müssen uns darüber unterhalten. Wir müssen raus aus der Filterblase. Wenn es öfter vorkommt, wird es auch normaler, die Gruppe derjenigen, die Bescheid wissen, wird größer und die Gefahr der sozialen Ächtung kleiner.

Redet!

Pünktlichkeit: Bahn oder Flug?

Wenn es um Flug oder Bahn geht, bekomme ich immer wieder die Antwort, dass doch die Bahn so unzuverlässig sei. Mit Interesse habe ich daher den Bericht der Deutschen Flugsicherung für 2018 gelesen. Darin findet man folgende Grafik:

Pünktlichkeit von Flügen nach DFS. Jedes vierte Flugzeug in Europa zu spät. DFS Mobilitätsbericht 2018, S. 28

Laut DFS ist in Europa jedes vierte Flugzeug mehr als eine Viertelstunde zu spät. Die Pünktlichkeitsrate liegt also in Europa bei nur 75 %!

Für Deutschland sieht das besser aus. Die Pünktlichkeitsrate liegt bei 88,7 %. Allerdings zeigt die Grafik der DFS, dass es einen Zusammenhang zwischen Zunahme der Flugverbindungen und Verspätungen gibt:

Flüge in Deutschland korreliert mit Pünktlichkeit. DFS Mobilitätsbericht 2018

Vergleicht man das mit der Bahn, so sieht man, dass die Pünktlichkeit im Personenfernverkehr bei 75% liegt. Im Nahverkehr bei 94% und gesamt bei 93,5%.

Pünklichkeitsbericht der Bahn 2018

OK. Da ist Luft nach oben! Aber ich erinnere mich an die Zeit vor 1998. Da hatte die Bahn an den Bahnhöfen Kreidetafeln mit Pünktlichkeitswerten und die waren auch bei 95%. Danach ist bei der Bahn viel falsch gelaufen (ich sag nur Mehdorn). Redundanzen wurden abgebaut. Lokführer-Pools reduziert/abgeschafft. Werkstätten geschlossen. Alles mit Hinblick auf den Börsengang. Wenn man der Bahn in Zukunft die Rolle in unserem Verkehrssystem zubilligt, die ihr zusteht, dann wird das auch wieder besser. Und es schafft Arbeitsplätze!

#AlleFürsKlima: Protest und verantwortliches Handeln

Seit über einem Jahr gehen die Kinder und Jugendlichen nun für unsere Zukunft auf die Straße. Sie haben viel erreicht: Das Thema ist auf der Tagesordnung, die Kanzlerin, die irgendwie in den Ruf gekommen war, eine Klimakanzlerin zu sein, hat jetzt eingesehen, dass die Zeit für Pillepalle vorbei ist und sogar in der EU noch ambitionierteren Zielen bei der CO2-Einsparung zugestimmt. 68–73% Reduktion bis 2030 für Deutschland. Nur wie der Weg dorthin aussehen soll, ist völlig unklar. Zumindest der Regierung. Die Verkehrswende wird erfolgreich blockiert, die Agrarwende genauso. Kohleausstieg: Ja, gerne. Später dann. (Mit den jetzt angenommenen Reduktionszielen müsste 2030 Schluss sein) Statt einer schnell wirksamen CO2-Steuer wird auf Emissionshandel gesetzt.

Im deutschsprachigen Raum haben sich 26.800 WissenschaftlerInnen hinter FridaysForFuture gestellt. Wir (ScientistsForFuture, S4F) unterstützen ihre Ziele und die KlimawissenschaftlerInnen unter uns haben die Richtigkeit ihrer Behauptungen bzgl. Klima bestätigt. S4F sieht sich selbst nicht als NGO oder Aktivisten in der Klimabewegung sondern eher als Faktenchecker, die FFF oder andere KlimaaktivistInnen mit ihrer Expertise unterstützen. Das ist einigen WissenschaftlerInnen nicht genug: Sie haben sich als climatewednesday.org zusammengetan, um FFF auch durch Mahnwachen und aktive Umorganisation der Gesellschaft und dabei insbesondere des akademischen Bereichs zu unterstützen. Zur Zeit gibt es jeden Mittwoch Aktionen in Adlershof, an der HU (Hauptgebäude), der TU, der FU, in Potsdam und in Leipzig. Ziel hier ist die Mobilisierung für die Aktionswoche von FFF im September und insbesondere für die große Demo am 20.09. Die Aktionen von climatewednesday.org dauern immer eine Stunde und jede und jeder kann dort seine Mittagspause verbringen.

Die Aktiven von climatewednesday.org haben eine Liste von Vorschlägen ausgearbeitet, die sie den jeweiligen Universitätsleitungen unterbreiten werden. Hauptziel ist die Klimaneutralität der Universitäten bis 2035. Eine Studie der ETH Zürich hat festgestellt, dass 50% ihres CO2-Ausstoßes durch Reisetätigkeit verursacht wird. Davon sind 93% Flügen zuzuordnen. Höchstwahrscheinlich wird das für die deutschen Universitäten genauso sein. Prof. Dr. Dr. Martina Schäfer von der TU Berlin hat überlegt, wie man den CO2-Ausstoß pro Jahr um 10% reduzieren könnte und dabei bietet sich eine Reduktion der Flüge an. Es ist klar, dass die Nachfrage nach Flügen auch mit deren Preis zu tun hat und dass das Hauptziel daher sein muss, die Subventionen des Flugverkehrs abzuschaffen und Steuern zu erhöhen. Das ist ein politisches Ziel, für das wir uns gemeinsam mit FFF einsetzen. Aber wir können als AkademikerInnen auch selbst zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen, indem wir unser Handeln hinterfragen, unseren Konferenzbetrieb anders organisieren und Flüge einfach vermeiden. Prof. Schäfer hat deshalb eine Selbstverpflichtungsaktion zum Verzicht auf dienstliche Kurzstreckenflüge gestartet, die inzwischen auch an der Uni Potsdam, der HU Berlin, der Uni Leipzig und der Beuth-Hochschule angelaufen ist. Bisher haben schon fast 1.000 Menschen unterschrieben. Das Ziel sind bis zur Übergabe an FFF am 20.09. 2000 Unterschriften. Die Seiten der Selbstverpflichtungsaktionen an den jeweiligen Hochschulen sind auf einer gemeinsamen Seite von climatewednesday.org verlinkt.

Am 20.09. haben FridaysForFuture zur weltweiten Protestaktion #AlleFürsKlima aufgerufen. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen und die Forderungen von FridaysForFuture an die Politik zu unterstützen. Es wird einen ScientistsForFuture-Block geben und ich möchte alle aufrufen, an dieser Demonstration teilzunehmen, auch wenn es nur kurz in der Mittagspause ist. Verdi, die GEW und der DGB rufen ihre Mitglieder auf, an der Protestaktion (in der Pause/im Urlaub) teilzunehmen und auch der Papst findet, dass wir etwas tun sollten. Jede/jeder Einzelne. (May God, “the lover of life” (Wis 11:26), grant us the courage to do good without waiting for someone else to begin, or until it is too late.)

Für BerlinerInnen: Die Demo findet ab 12:00 am Brandenburger Tor statt. Das ist die perfekte Zeit für die Mittagspause.

Also: Auf alle Fälle am 20.09. demonstrieren und ansonsten auch die Selbstverpflichtung unterschreiben.

Bestellt alles ab!

Das ist einer von vielen Tipps, wie Ihr Euren CO2-Fußabdruck verkleinern könnt.

Gibt es bei Euch auch diesen Haufen Papier, der jeden Tag im Briefkasten ist? Wochenzeitung, Werbung von der Post (extra eingeschweißt in Plaste-Verpackung), Kataloge, Zeitschriften? Gegen Wochenzeitungen hilft ein Aufkleber am Briefkasten. Gegen Werbung von der Post und sonst wem auch. Irgendwann mal irgendwo etwas bestellt und seitdem einmal im Jahr den Katalog? Zwei Mal im Jahr? Noch öfter? Am besten immer sofort, wenn ein Katalog kommt, diesen abbestellen. Hinten ist die Kundennummer drauf. Mail an Versender und Ihr seid raus. Helft den anderen Familienmitgliedern: Darf ich für Dich diesen Katalog abbestellen?

Diese Zeitschrift: Lest Ihr sie überhaupt noch? Ich habe letzte Woche die c’t abbestellt, weil ich eigentlich nur die FAQ und Tipps und Tricks regelmäßig lese und ansonsten einzelne Artikel. Dafür habe ich ein online-Abo, das reicht völlig.

Berufliches Zeug: Braucht Ihr das? Ja, diese Hochschullehrerzeitung. Da steht ab und zu etwas Interessantes drin, aber irgendwie kommt man doch nicht zum Lesen und sie liegt nur rum. Abbestellt. Jahresberichte und Einladungen von Institutionen, mit denen Ihr irgendwann mal etwas zu tun hattet? Das Forschungsmagazin der DFG (auch noch von Wiley). Abbestellt.

Zeitschriften und Broschüren: abbestellt

Schwuppdiewupp einen ganzen Haufen Papier und den Versand eingespart. Eigentlich einfach, aber man muss dranbleiben. Schafft Ihr. =:-)

Und noch ein Tipp zum Schluss: Wenn Ihr keine unverlangte Werbung haben wollt, könnt Ihr Euch bei der Robinson-Liste eintragen. Die gibt es für Deutschland und einige andere Länder. Da kann man auch seine Telefonnummer hinterlegen. Dann ist Ruhe. Wie auf einer Insel.

Statt Privatflugzeug bitte Linienmaschine benutzen

Das ist einer von vielen Tipps, wie Ihr Euren CO2-Fußabdruck verkleinern könnt.

Heute habe ich einen interessanten Weg entdeckt, wie Ihr Euren CO2-Ausstoß extrem verringern könnt. Leider ist die Adressatengruppe dieses Posts relativ klein. Aber ich will ja nichts unversucht lassen. Im Vergleich zu Stillegung des Wäschetrockners würde dieser Tipp hier nämlich ne Menge bringen. Also: Wenn Ihr fliegt, fliegt einfach mit einem Linienflugzeug und nicht mit Eurem Privatflugzeug. Das würde ne Menge CO2 einsparen.

Jetzt mal ernst: Nach einer Schätzung in einem Aufsatz in Nature Climate Change, der auch auf Researchgate verfügbar ist, haben die 0,54% der reichsten Menschen einen CO2-Ausstoß von 3,9 Milliarden Tonnen CO2/Jahr. Das entspricht 13,6% aller Lebensstil-abhängigen CO2-Emissionen. Die 50% ärmsten Menschen haben dagegen 10% der Emissionen. Die AutorInnen der Studie haben drei superreiche Familien mit je über einer Million Dollar an Aktienbesitz (dazu noch Immobilien und Wertgegenstände) befragt. Zwei Familien aus den USA und eine aus Südkorea. Dazu wurde ein Pilot aus Zentraleuropa befragt, der Kunden in Privatflugzeugen fliegt.

CO2-Ausstoß der Superreichen. Drei Familien wurden in einer Studie untersucht. Otto et.al. 2019. Shift the focus from the super-poor to the super-rich. Nature Climate Change 9. p. 83.

Der Gesamtausstoß lag bei 129,3 Tonnen CO2 pro Jahr für einen Zweipersonenhaushalt. Das sind als 65 Tonnen pro Kopf. Zum Vergleich: US-Durchschnitt 22 Tonnen, Deutscher Durchschnitt 11,61 Tonnen.

Treibhausgasemmission pro Kopf. Quelle: UBA, 2019

Im Artikel werden Lösungsvorschläge gemacht. Unter anderem folgender:

Frequent air travel is a primary contributor to hugely above-average emissions of the super-rich that could be substantially reduced by avoiding using private jets and just flying less.

Otto et.al. 2019. Shift the focus from the super-poor to the super-rich. Nature Climate Change 9. p. 83.

Also, falls einer der 0,54% meinen Blog lesen sollte: Hier meine Bitte: Fliegt mal mit ner Linienmaschine. Auch in der Business-Klasse kann man nette Menschen kennen lernen und bei einem Economy-Flug bekommt man sicher ganz neue Perspektiven auf das Leben allgemein und die Menschheit im Besonderen. Zugreisen sind natürlich noch viel aufregender!

Solltet Ihr wirklich zu den 0,54% gehören, wird Euch ein anderer Vorschlag der AutorInnen nicht gefallen. Sie schlagen vor, Erbschaftssteuer zu erheben und die Einnahmen in Klimafonds umzulenken. Aber vielleicht wird dieser Vorschlag wieder vergessen, wenn Ihr es wie Bill und Melinda Gates macht, wie die Otto-Gruppe oder Bosch und gleich selbst ökologische Vorhaben unterstützt. Und von einer Vorbildfunktion wird im Artikel auch gesprochen. Macht Euch einfach coole Solarzellen aufs Dach (ist ja groß genug).

Wir sehen uns! Im Zug.

Nachtrag nach einmal drüber Schlafen: Die AutorInnen der Studie sagen, dass CO2-Steuern die Superreichen nicht davon abhalten würden zu fliegen. „Heavy environmental taxation, as commonly discussed, is unlikely to effect the consumption behaviour of the super-rich, who can afford to continue polluting.“ (p. 83) Man könnte aber Steuern mit Auslastung von Flugzeugen koppeln. Wenn ein Flugzeug mit drei Personen statt mit 500 fliegt, werden andere Steuern fällig. Ähnliche Modelle gibt es ja bei der Besteuerung von Autos, wo die Größe auch eine Rolle spielt. Die Reglungen müssen natürlich mit Augenmaß entwickelt werden, weil auch Linienmaschinen mitunter leer zurückfliegen.

Spaß mit Klimawandelleugnern

Das Berkeley Earth Surface Temperature-Projekt

Wie die Welt und Katapult berichteten, haben Klimawandelskeptiker um den Physiker Richard A. Muller an der Universität von Kalifornien in Berkeley das Berkeley Earth Surface Temperature-Projekt gestartet, dessen Ziel es war, bisher unberücksichtigte Messwerte in die Erstellung neuer Klimamodelle einzubeziehen. Muller ging davon aus, dass die Vorhersagen anderer WissenschaftlerInnen dadurch verfälscht waren, dass in Städten gemessen wurde, was wegen der Erhitzung innerhalb von Städten zur Vorhersage von zu großen Effekten führen könnte. Das Berkeley Earth Surface Temperature-Projekt wurde von den Koch-Brüdern finanziert, zwei (einfluss)reichen Amerikanern, deren Firma mit 120.000 Mitarbeitern in den Bereichen Erdöl, Erdgas, Chemie, Energie, Asphalt, Kunstdünger, Nahrungsmittel und Kunststoff tätig ist und die auch die rechte Tea-Party unterstüzen. Interessanterweise war das Projektergebnis, dass die Vorhersagen der anderen WissenschaftlerInnen zu konservativ waren und die Erwärmung höchstwahrscheinlich noch größer ausfallen wird. Ein weiteres Projektergebnis war, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Die Arbeiten des Projekts wurden fortgesetzt, einige Geldgeber sind aber ausgestiegen …

Richard Muller, UCB: Klimawandel ist real und menschengemacht

Die AfD fragt: Bestätigen wirklich 97% der Wissenschaftler den menschengemachten Klimawandel?

Eine Strategie der AfD ist es, den parlamentarischen Betrieb mit unsinnigen Anfragen zu beschäftigen und damit Punkte ihrer Agenda immer wieder zu aktivieren. Also zum Beispiel mal zu fragen, wie viele Ausländer welche Verbrechen begangen haben. Die Antwort ist dabei dann eigentlich egal, denn es wird durch die Anfrage bei allen, die davon erfahren, die Verbindung zwischen Ausländer und Verbrecher gestärkt. Nun hat die AfD eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt bzgl. der WissenschaftlerInnen, die darüber einig sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Das Ergebnis ist lustig, denn es ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Aktionen von Klimawandelleugnern nach hinten losgehen können. In ihrer Antwort stellt die Bundesregierung fest, dass 99,9% der KlimawissenschaftlerInnen sich einig sind, dass der Klimawandel menschengemacht ist und nicht etwa von der Sonne gemacht, weshalb der Ansatz von Beatrice von Storch, die Sonne zu verklagen, nicht zur Lösung unserer Probleme beitragen würde.