Millions4.earth

Zuletzt geändert am 8. June 2026

TL;DR: Direkt zur Seite: https://millions4.earth/ =:-)

Das Klimathema ist in den Hintergrund gerückt, obwohl es breite Mehrheiten für mehr Klimaschutz gibt, wie eine Analyse des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt zeigt: 83% gaben bei einer repräsentativen Befragung von 8.000 Menschen an, dass sie sich wegen des Klimas Sorgen machen und 71% fordern mehr Maßnahmen von der Politik. 67% versuchen einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Zitiert nach Teichler, Nils & Groh-Samberg, Olaf & Gerlitz, Jean-Yves (eds.). 2025. (Un)mögliche Transformation? Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland. Zweiter Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Leipzig: Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. S. 29.

Nur: Wo sind die Menschen, die zu diesen Ansichten gehören? Warum sieht man sie nicht? Was genau tragen die 67% zum Klimaschutz bei? Kann man das strukturieren? Fördern? Sichtbar machen?

Menschen haben Angst wegen Kriegen, wegen der Inflation, steigenden Lebensmittelpreisen und Mieten. Das sind alles existenzielle Fragen und zum Teil hängen sie zusammen. Auch mit dem Klimaschutz. Inflation kann man bekämpfen, Mieten regulieren, Kriege beenden, aber die Erfolge werden nur dann Bestand haben, wenn wir uns auch um den Klimaschutz kümmern und zwar jetzt, denn wenn entsprechende Kipppunkte überschritten sind, sind Effekte nicht mehr umkehrbar. Das Artensterben hängt mit dem menschengemachten Klimawandel zusammen und stellt noch eine viel größere Bedrohung dar. Wenn Arten aussterben, zerreißt die Nahrungskette und wir bekommen weitere ernsthafte Probleme. Verhinderer spielen die Themen oft gegeneinander aus, aber es ist klar, dass Klimaschutz sozial verträglich durchgesetzt werden muss und kann.

Oma for Future mit kleinem Kind beim ersten Klima after Work-Treffen in Berlin, 01.07.2022

Millions4.earth ist der Versuch, das Klimathema wieder stärker im Bewusstsein der Gesellschaft bzw. Gesellschaften zu verankern und Menschen zum Handeln zu bringen. Diese Web-Seite vereinigt fast alles, was bisher schon versucht wurde: Petitionen, Öko-Apps für individuelles klimagerechtes Handeln (CO2-Fußabdruck), Parteigründungen, Demonstrationen, Newsletter zur Aktivierung und Information, Wahlomat und das alles kombiniert mit Gamification für die Bewertung von Fußabdruck und Handabdruck. Millions4.earth ist eine Web-Seite, auf der man für die folgenden Forderungen unterschreibt:

  1. Verkündung der Statements von Hungern bis Ihr ehrlich seid (siehe unten), die von Scientist for Future überprüft worden waren und auch von den Parents for Future und den Psychologists/Psychotherapists4Future unterstützt werden.
  2. Sozialverträglicher Umbau der Gesellschaft zum Erreichen der Klimaneutralität bis 2040
  3. Sozialverträglicher Abbau von Subventionen fossiler Energieträger
  4. Rückkehr zum Klimagesetz mit Sektorzielen, angepasst auf 2040

Die Forderung von „Hungern bis Ihr ehrlich seid“ war, dass die Bundesregierung Folgendes verkünden möge:

  1. Der Fortbestand der menschlichen Zivilisation ist durch die Klimakatastrophe extrem gefährdet.
  2. Der CO₂-Gehalt in der Luft ist viel zu hoch (0,42 ‰).  Der Weltklimarat zeigt einen Weg (SSP1-1.9 “1,5°-Pfad”), mit dem die Menschheit die beste Überlebenschance hat.
  3. Dieser Pfad hat einen Zielwert von 0,35 ‰ (bis zum Jahr 2150).  Das bedeutet, es sind bereits jetzt hunderte Gigatonnen zu viel CO₂ in der Luft.
  4. Wir müssen jetzt, wenn auch mit Jahren Verspätung, radikal umsteuern.
Forderungen von „Hungern bis ihr ehrlich seid“. Hungerstreikcamp, Spreebogenpark, Berlin, 07.04.2024

Im Unterschied zu normalen Petitionen gibt es für diese Petition kein Laufzeitende. Sie läuft durch und sammelt weiter Unterstützer*innen. Die „Unterschriften“ sind nicht auf einem Server gesammelt. Auf dem Server sind nur Schlüssel vorhanden. Die Daten der Teilnehmenden sind lokal in ihrem Browser gespeichert. Man kann vor Wahlen aktuelle Zahlen kommunizieren und bei entsprechender Größe auch echte Petitionen durchführen.

Zeichner*innen der Petition bekommen einen Invite-Link, den sie nutzen können, um Kontakte einzuladen. Für Menschen, die sie direkt eingeladen haben, bekommen sie Punkte (Handabdruck). Sie können später eine grafische Aufbereitung der Einladungskette sehen. Wenn jemand fünf Personen eingeladen hat und diese jeweils wieder fünf oder zehn oder hundert, dann kann die erste Person das sehen.

Visualisierung der Wirksamkeit von Einladungen

Für individuelles klimagerechtes Handeln werden ebenfalls Punkte vergeben und die Ergebnisse werden auf der Webseite angezeigt: Wie viele Prozent der Zeichnenden essen weniger Fleisch, verzichten auf Flüge oder Kreuzfahrten, benutzen das Fahrrad usw. Das Handeln von Menschen beeinflusst Menschen. Wenn wir Regierungen zeigen, wie Menschen handeln, haben sie weniger Angst davor entsprechende Maßnahmen umzusetzen/klimaschädliche Subventionen zu kürzen usw. Vorausgesetzt, das Lobbyismus-Problem wird gelöst bzw. eingedämmt.

Ein optionaler Newsletter kann genutzt werden, um die Millionen über aktuelle Entwicklungen, anstehende Demonstrationen, Volksentscheide, Petitionen und klimakompatible Optionen für Wahlen zu informieren. Die Email-Adressen sind unabhängig von den Fußabdruck und Handabdruck-Daten gespeichert. Nutzer*innen, die das möchten, können auch über Push-Nachrichten im Browser informiert werden, dann ist die Kommunikation komplett ohne Email möglich. Push-Nachrichten erinnern Nutzer*innen auch in größeren Abständen an millions4.earth, so dass sie zurückkehren und aktiv bleiben.

Die Software ist so eingerichtet, dass die Web-Seite international benutzt werden kann. Anpassung mit Texten und Gamification-Aspekten für andere Länder und Sprachen sind möglich.

Anhang

Was millions4.earth ist und was nicht

Millions4.earth ist eine Petition und doch nicht

Bei Millions4.earth gibt es eine Forderung. Es soll erstens klar kommuniziert werden, wie die Lage ist und zweitens soll Klimaneutralität bis 2040 angestrebt werden und zwar unter Einbeziehung aller Sektoren. Wie bei Petitionen über die üblichen Petitionsplattformen ist das Ergebnis nicht verifizierbar. Solche Petitionen sind eher ein Stimmungsbild. Wirkungsvoller sind Bundestagspetitionen, für die man sich anmelden und ausweisen muss. Bei Millions4.earth kann man sich bei einem Newsletter anmelden und Push-Nachrichten erlauben. Darüber kann man die Teilnehmer*innen zu einer Bundestagspetition aufrufen, wenn das in einer besrtimmten Situation sinnvoll erscheint.

Millions4.earth unterscheidet sich von sonstigen Petitionen dadurch, dass es kein definiertes Ende gibt. Die Plattform funktioniert fortwährend und dient zur Sichtbarmachung der Fordernden. Gamification hilft dabei, Interesse am Klimathema wachzuhalten und bewirkt, dass Menschen über menschliches Verhalten und ihr eigenes Mitwirken in der Politik reden.

Millions4.earth ist streng anonym, kann aber auch offen sein

Bei Millions4.earth werden die Nutzerdaten nur lokal im jeweiligen Browser vorgehalten. Das ist wichtig, weil es sich um eine internationale Plattform handelt. In einigen Staaten gibt es Repressionen gegen Menschen, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen (siehe Ogoni Nine in Nigeria). Außerdem ist es natürlich eine Frage des Datenschutzes, welche Information über Menschen auf einem Server gespeichert wird. Um den Mobilisierungserfolg einzelner Nutzer*innen für diese visualisieren zu können, wird die Einladungskette gespeichert. Welcher Schlüssel hat welchen eingeladen. Wen Nutzer nicht wollen, dass sie mit Einladungen in Verbindung gebracht werden, können sie einfach mit https://millions4.earth einladen und den Schlüssel am Ende des URLs nicht weitergeben. Auch beim Zeichnen der Petition, kann man die Einladungskette unterbrechen (Häkchen entfernen). So wird auf unserem Server nicht gespeichert, wer den Unterzeichnenden geworben hat.

Nutzer*innen können sich, wenn sie wollen, mit mastodon, bluesky oder google authentifizieren. Man kann eine Web-Seite erzeugen, auf der frei konfigurierbar angegeben wird, welche Handlungen zur Fußabdruck und Handabdruck man unternimmt, wie viele Punkt man hat usw. Diese Seite kann auf einen Mastodon-Account verweisen. Man kann sie auch bei Mastodon im Profil einbinden und damit seinen Account dort „verifizieren“. Mit einer solchen Seite hat man die Anonymität verlassen und Millions4.earth bekommt ein Gesicht bzw. viele Gesichter. Wenn man die Seite selbst nicht verwendet, ist sie nach außen nicht sichtbar. Man kann sie aber zum Beispiel in seiner Email-Signatur verwenden.

Wichtig: Man muss seinen Schlüssel unter https://millions4.earth/export speichern (json-Datei, zwölf Wörter oder auf einem anderen Gerät per QR-Code importieren). Werden die Daten im Browser gelöscht oder zieht der Nutzer auf ein neues Gerät mit neuem Browser um, ist sonst die Verbindung zu millions4.earth unterbrochen.

Quellen

Ganswindt, Till & Neubert, Anja. 2025. Forschungsbericht: Mehrheit der Deutschen will Klimaschutz. tagesschau 13.11.2025. (https://www.tagesschau.de/wissen/klima/bericht-gesellschaft-klimaschutz-100.html)

Teichler, Nils & Groh-Samberg, Olaf & Gerlitz, Jean-Yves (eds.). 2025. (Un)mögliche Transformation? Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Einstellungen zum Klimawandel in Deutschland. Zweiter Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Leipzig: Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. (https://fgz-risc.de/fileadmin/media/publikationen/Zweiter_Zusammenhaltsbericht/Zweiter_Zusammenhaltsbericht_FGZ_web.pdf)

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