Automobilstrejk for klimatet

Hi Kids,

Seid Ihr auch bei FridaysForFuture? Vielleicht sogar bei Extinction Rebellion? Extinction Rebellion hat mehrere Autobahnen in London blockiert. Cool, oder? Autos mit Verbrennungsmotoren sind für einen großen Teil des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Wie viel genau das ist, könnt Ihr selber mit dem CO2-Rechner ausrechnen.

Autoverkehr blockieren: vor der eigenen Tür

Warum also nicht einfach den Autoverkehr dort blockieren, wo er herkommt? Von zu hause. Wenn Ihr einfach sagt: „Ich fahre nicht mehr Auto.“ Ihr steigt einfach nicht mehr ein. Kann sein, dass es dann Stress mit den Herrschenden gibt, aber das ist bei Extinction Rebellion auch so.

Wenn Ihr Eure Eltern fragt, warum sie ein Auto haben, werden sie vielleicht sagen: „Wegen Euch.“ Ich habe einen Freund, der 100%iger Radfahrer war1 und sich dann irgendwann ein Auto angeschafft hat. Wegen der Kinder. Sorgt dafür, dass es diesen Grund nicht mehr gibt.

Schulweg

Ihr seid noch klein und Eure Eltern bringen Euch in die Schule? Weil der Weg zu gefährlich ist? Weil so viele große Autos unterwegs sind? Kein Problem! Dafür gibt es eine Lösung: Lastenräder.

Bakfiets. Stabil gebaut. Kinder können darauf rumklettern. Bis zu vier Kinder oder 200 kg Last.

In einem entsprechenden Modell kann man bis zu vier Kinder gleichzeitig transportieren. Was für ein Spaß! Und Mama/Papa sitzt direkt dahinter und hat alles im Blick. Auch große Kinder mit Gepäck kann man so transportieren. Auch ganz kleine, denn man kann eine Babyschale, wie sie für Autos verkauft wird, fest einbauen. Gurte zum Anschnallen gibt es auch. Auch ein großer Einkauf geht rein. Bis zu 200 kg kann man damit transportieren! Man braucht (in der Stadt) gar kein Auto mehr.

Komfort

Eure Eltern werden sagen: „Ja, aber wenn es regnet?“ Die Antwort ist: Es gibt Lastenfahrräder mit Dach. Das ist echt gemütlich da drin. Die Antwort Eurer Eltern wird sein: „Ja, aber ich sitze ja nicht unter dem Dach und es ist ungemütlich.“ Dafür gibt es natürlich Regensachen. Und wenn es schneit? Die dreiräderigen Lastenräder haben den Vorteil, dass man damit nicht umkippt. Sie sind sehr stabil. Es gibt aber wirklich ein Problem: Wenn sich der Schnee zwischen Räder und Schutzbleche setzt, fühlt es sich an, als würde man mit angezogener Bremse fahren. Wie auf dem Rad im Fitnesscenter. Sagt Euren Eltern einfach, dass sie ja eh wieder ins Fitnesscenter wollten. Nein, sagt das bitte nicht. Kann sein, dass sie sonst richtig sauer werden. Aber Ihr könnt ihnen ja vom folgenden Gleichnis erzählen. Kind ist krank, tödlich erkrankt. Wenn Eure Eltern wüssten, dass Ihr gesund werden könntet, wenn sie jeden Tag eine Stunde anstrengenden Sport treiben, würden sie es tun? Ja, natürlich! Und würden sie, um Eure Zukunft zu sichern, pro Tag eine Stunde Rad fahren? Fragt sie. Der Spiegel hat das Gleichnis mit dem kranken Kind noch besser aufgeschrieben. Und außerdem werden die Winter ja eh immer wärmer. Das ist ja das Problem, um das es gerade geht.

Und wenn Eure Eltern sich partout nicht anstrengen wollen: Es gibt inzwischen auch Lastenräder mit Elektroantrieb.

Kosten

Eure Eltern sagen vielleicht: „Gute Lastenräder sind sehr teuer, das können wir uns nicht leisten.“ Sagt Ihnen einfach, dass sie das Auto dann ja nicht mehr brauchen und von dem Verkauf des Autos können sie locker das Lastenrad finanzieren (ehm, kommt aufs Auto an …). Aber ohne Quatsch: Steuern, Versicherung, Reparatur und Wartung eines Autos und dazu noch Parkgebühren sind sehr teuer. Das machen sich Autofahrer oft nicht klar. Sie schauen nur auf die unmittelbaren Kosten: die Benzinkosten. Zeigt Euren Eltern diese Seite zu den Kosten von Autos. Da könnt Ihr Euer Auto eingeben und die genauen Kosten sehen, auch den Wertverlust des Autos.

Kosten und Wertverlust eines VW-Golf: 3372 € pro Jahr (ohne Parkgebühren). Berechnet mit https://www.autokostencheck.de/

Beim Fahrrad gibt es keine Fahrradsteuer und auch Benzin braucht man nicht. Wartung und ein paar neue Reifen und Schläuche ab und zu. Nicht vergleichbar mit Autokosten. Bei Stilllegung Eures Autos können Eure Eltern viel Geld sparen. Da bleibt sogar nach der Bezahlung von vier Jahresabos für den Nahverkehr noch etwas übrig. Und in Berlin fahrt Ihr ja eh umsonst mit der BVG (inkl. Fahrradmitnahme).

Wochenende

Eure Eltern lieben Euch und möchten das Wochenende mit Euch verbringen. Wenn Ihr nicht mehr mitfahrt, müssen sie sich etwas anderes ausdenken. Bahn und Rad geht wunderbar. In vielen Gegenden Deutschlands. Kinder bis 14 Jahre dürfen umsonst Bahn fahren, wenn die Eltern dabei sind und in manchen Gegenden (Thüringen) ist sogar die Fahrradmitnahme im Nahverkehr kostenlos.

Urlaub

Ach, und Urlaub. Jetzt fliegt Ihr schon nicht mehr und Auto auch nicht mehr? Das geht doch nicht. Nun zeigt sich, wie hart Ihr drauf seid. Entweder macht Ihr ne Ausnahme für den Urlaub. Dann geht das mit dem Autostilllegen nicht oder Ihr braucht für den Urlaub einen Mietwagen. Oder Ihr sagt: „Nee, wieso, geht alles mit der Bahn.“ Man kann lokal Urlaub machen. Von Berlin aus sind die Ostsee, Thüringen, die Sächsische Schweiz, das Oderbruch gut zu erreichen.

Oderbruch mit Regenbogen: von Berlin gut mit der Bahn zu erreichen.

Auch ins Ausland kommt man mit der Bahn: Slowenien, Frankreich, Italien, Großbritannien, die Niederlande, Polen, Tschechien, Russland, Bulgarien … Es geht. Und eine Zugfahrt durch die Alpen ist wunderschön. Eine Fahrt im Nachtzug ein Abenteuer.

Aufm Land

OK. Hier gibt es ein Problem. Als es Euch noch nicht gab, gab es viele kleine Bahnen und Busverbindungen. Diese wurden teilweise stillgelegt oder die Anzahl der Bus- und Bahnverbindungen wurden reduziert, weil die Leute ohnehin alle mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Dieses Problem können wir nur zusammen lösen. Dafür ist FridaysForFuture wichtig. (#Verkehrswende)

Denkt mal drüber nach und sagt mir Bescheid, wenn Ihr was erreicht habt. Dann freue ich mich.

Und hey, wenn Ihr es geschafft habt und das gut findet: Macht Euch einen Sticker an: . Eure Alten werden sich an was erinnern.

Herzliche Grüße

Stefan (Müller)

PS: Wenn Eure Eltern fragen, wo Ihr diese bescheuerte Idee mit dem Autostrejk for klimatet herhabt, schiebt alles auf mich! Sie werden Euch dann wahrscheinlich das Internet verbieten, aber hey, wie bei Extinction Rebellion muss man eben Opfer bringen!

PPS: Über Elektroautos reden wir in einem anderen Post. Am besten gar nicht erst damit anfangen.

PPPS: Eine Kollegin hat mir von einem coolen Projekt an der TU erzählt, bei dem man mal für einen Monat so tun kann, als hätte man kein Auto. Vielleicht macht Ihr das, wenn Eure Eltern nicht aufhören rumzudiskutieren. Aber warum nicht gleich das ganze Ding durchziehen? Extinction Rebellion blockiert ja auch nicht nur einen schmalen Streifen auf dem Fußweg.

Privater Klimanotstand

Immer mehr Städte und Staaten erklären den Klimanotstand. Eine beeindruckende Liste von 935 Gerichtsbarkeiten in 18 Ländern ist im Netz verfügbar. Berlin ist noch nicht dabei, aber ein Bezirk (Pankow) ist es. Berliner Aktivisten sammelten 43.522 Unterschriften, um das Thema auf die Tagesordnung des Berliner Senats zu setzen (20.000 werden benötigt). Ich habe auch unterschrieben.

Die Ausrufung eines Klimanotstands hat keine rechtsverbindlichen Folgen. Vielmehr ist es eine Selbstverpflichtung der Organisationen, Klimaaspekte höher einzustufen. Viele Leute finden das also gut. Berlin sollte anderen Städten folgen und den Klimanotstand ausrufen.

Frage: Warum erklären wir nicht unseren privaten Klimanotstand? Was bedeutet das? Denken wir über alles nach, was wir tun, und überlegen, ob es wirklich notwendig ist. Muss ich das Auto nehmen? Nun, es regnet! Na und? Okay, ich werde es heute nehmen, aber morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Kaufe ich diese vier Steaks? Sie sind billig. Oder vielleicht kaufe ich nur ein teures, das von einer glücklichen Kuh kommt. Oder vielleicht keins, weil ich gestern eins hatte. Muss ich diesen Pullover kaufen? Der alte ist immer noch gut genug. Kann ich ihn in einem lokalen Geschäft kaufen oder muss ich einen Lieferservice nutzen?

Gehe ich zu dieser Demonstration/Mahnwache/Aktion oder bleibe ich im Bett? Natürlich sind politische Aktionen viel wichtiger als all diese privaten, individuellen Dinge. Aber man könnte die Dinge zusätzlich zu politischen Aktionen tun. Wir als Gesellschaft müssen uns sowieso ändern, und es ist besser, dies freiwillig zu tun, als gezwungen zu sein, es zu tun.

Wir könnten ein Tagebuch haben, in dem wir Notizen machen, was wir nicht getan haben oder welche Art von Prozess wir optimiert haben. Bist Du mit dem Aufzug gefahren? Oder die Treppe gelaufen? Hast Du die Klimaanlage auf 18°, auf 20° eingestellt oder hast Du sie ausgeschaltet? Du hast gar kein? Gut. Lasst uns alles tun, um die Einführung von Klimaanlagen für diejenigen unnötig zu machen, die jetzt keine haben.

Hiermit erkläre ich meinen privaten Klimanotstand.

Private climate emergency

More and more cities and states declare a climate emergency. An impressive list of 935 jurisdictions in 18 countries is available in the net. Berlin is not part of this yet, but one district (Pankow) is. Berlin-based activists collected 43,522 signatures to get the topic on the agenda of the Berlin senate (20,000 are required). I signed as well.

Declaring climate emergency does not have any legally binding consequences. It rather is a self-commitment of the organizations to rank climate aspects higher. So, lots of people think this is a good thing. Berlin should follow other cities and declare a climate emergency.

Question: Why don’t we declare our private climate emergency? What does this mean? Reflect everything we do and consider whether it is really necessary. Do I have to take the car? Well, it is raining! So what? OK, I will take it today but will go by public transport tomorrow. Do I buy these four steaks? They are cheap. Or maybe I buy just one more expensive one that is coming from a happy cow. Or maybe none since I had one yesterday. Do I have to buy this pullover? The old one is still good enough. Could I buy it in a local store or do I have to use a delivery service?

Do I go to this demonstration/picket/direct action or do I stay in bed? Of course political actions are much more important then all this private, individual stuff. But you could do things on top of political actions. We, as societies, have to change anyway and it is better to do it in free will rather than being forced to do it.

We could have a diary taking notes of what we did not or what kind of process we optimized. Did you take the lift? Or did you take the stairs? Did you set the air condition to 18°, to 20° or did you switch it off. You do not have any? Good. Let’s do everything to make the introduction of air condition unnecessary for those who do not have any right now.

I herewith declare my private climate emergency.

Verzicht und Verbote

Auf der Mailingliste der Scientists4Future in Berlin/Brandenburg und auch unter den Aktiven von climatewednesday.org kommt immer wieder die Frage auf, ob es um Verzicht oder um politische Änderungen geht. Luisa Neubauer (die Hauptorganisatorin beim deutschen FridaysForFuture) schreibt auf twitter:

Screenshot vom twitter-Post für diejenigen die X aus berechtigten Gründen geblockt haben.

Tja, was wollen wir dann? Was wollen wir denn? F4F möchte eine CO2-Steuer von 180 € auf eine Tonne CO2-Emission. Die 180 € sind vom Umweltbundesamt ins Gespräch gebracht worden. Die Scientists4Future – ich gehöre dazu – unterstützen das. Sie gehen detailliert auf CO2-Kostenmodelle ein und geben Quellen an, die noch von viel höheren Kosten ausgehen, wenn man wirklich alle Klima- und sonstigen Schäden einrechnen will. (ScientistsForFuture zu CO2-Kosten). Die Grünen schlagen 40 € vor. Modelle der SPD eine schrittweise Erhöhung. Die Einnahmen sollen (je nach Partei) wieder an die Steuerzahlenden zurückgeführt werden, so dass die, die sich klimabewusster verhalten, mehr zurückbekommen, als sie ausgeben und die anderen eben weniger (S4F zur sozialen Gerechtigkeit von CO2-Preisen). Da wir genau wissen, welche von den Dingen, die wir lieben, klimaschädlich sind (Flüge, Autos, Fleisch), wissen wir auch, worauf wir verzichten müssen, wenn wir nicht mehr bezahlen wollen. Letztlich geht es darum, dass wir auf Flüge, Autos und Fleisch verzichten.

Nun die große Frage: Warum brauchen wir dazu die Steuer? Wir brauchen sie nur, weil wir – wie die kleinen Kinder – sagen: „Aber der Peter, der hat doch auch.“. Wir wollen nicht die Doofen sein, die sich einschränken, während alle anderen Party feiern (#leiderGeil). Wir wollen auch nicht von anderen ermahnt werden, wir wollen unsere Prasserei nicht vorgehalten bekommen. Appelle, die zu individueller Verhaltensänderung aufrufen, werden bekämpft (zum Beispiel in der Flugscham-Diskussion).

Verbote

In der Geschichte der Bundesrepublik gab es diverse Verbote und Regulierungen:

Das Rauchverbot in Gaststätten wollten 79 % der Deutschen. Das Verbot der Glühlampe wollte niemand. Die Energiesparlampen, die danach kamen, waren eine ökologische Sauerei mit Quecksilber, sie brauchten ewig, bis sie ein bisschen Licht emittierten. Aber inzwischen gibt es LED-Lampen, die sofort hell sind, ein Bruchteil der Energie verbrauchen, die Glühbirnen verbraucht haben, und deren Lichtspektrum halbwegs in Ordnung ist. Ein Erfolg. Auch ist die Saugleistung von Staubsaugern nicht unbedingt proportional zum Stromverbrauch. Das Gesamtdesign spielt eine Rolle. Auch diese Regulierung führte letztendlich dazu, dass wir jetzt bessere und sparsamere Geräte haben.

Heizpilze auf die Straße zu stellen, damit Menschen vor dem Restaurant sitzen können, ist ökologisch gesehen Wahnsinn. Wir versuchen, unsere Häuser zu isolieren, damit nicht so viel Heizenergie verlorengeht, und dann heizen RestaurantbesitzerInnen einfach gleich die Straße. Für diese scheint es sich gelohnt zu haben. Sie haben an den zusätzlich verkauften Speisen und Getränken mehr verdient, als das Gas für den Heizpilz kostet. Der Markt regelt hier nichts.

Verbote, die wir brauchen und/oder wollen

  • Tempolimit 130
  • überdimensionierte Autos (aka SUVs)
  • Werbeverbot für Reisen, die Flüge involvieren

63 % (Welt) bzw. 57 % (Bild/Targobank) der Deutschen sind inzwischen für ein Tempolimit. Das Tempolimit wäre aus Sicherheitsgründen (weniger Tote) und aus Klimagründen (auch weniger Tote) sinnvoll. Sicher würde damit die Freiheit von Menschen eingeschränkt. Aber muss eine Gesellschaft das zerstörerische Verhalten einiger weniger Personen akzeptieren?

SUVs sind größer, als das für ihre Aufgabe (Transport von Menschen) notwendig wäre. Da mehr Gewicht (bis zu 2,5 Tonnen) transportiert werden muss, ist der Energiebedarf auch höher und somit die Umwelt- und Klimabelastung größer. Die Lösung der Autoprobleme wird oft in der E-Mobilität gesehen. Aber da kommt zu dem ganzen Wahnsinn noch die Batterie hinzu. Bei einem neuen E-SUV von Mercedes wiegt die Batterie 650 kg, das gesamte Auto dann 2,5 Tonnen. Wenn wir irgendwie unsere Klimaprobleme lösen oder zumindest erträglicher machen wollen, dann müssen wir mit diesem Unfug aufhören. Das gelingt uns aber nicht. In Deutschland gehören SUVs mit 31,4 % zur meistverkauften Karosserievariante. Der Markt regelt das? Die eigenverantwortlichen Konsumenten kriegen das schon hin? Nee. Irgendwie nich. Hier wären wohl Limitierungen angebracht.

So, wie Tabakwerbung in bestimmten Bereichen verboten ist, sollte auch Werbung für Flugreisen verboten werden. So, wie man Schockbildchen auf Zigarettenschachteln druckt, könnte man auf jedes Flugticket bzw. auf den Boardingpass zumindest den CO2-Ausstoß pro Person aufdrucken. Beim Boardingpass kann man dann sogar die Anzahl der Passagiere im aktuellen Flug korrekt mit einberechnen.

Verzicht, bevor die Verbote/die Steuererhöhungen vielleicht kommen

Unsere jetzige Regierung ist unfähig. Julia Klöckner (CDU) verhindert seit Jahren jegliche Änderung in der Agrarwirtschaft. Andy Scheuer (CSU) blockiert die Verkehrswende. Die SPD hat ab und zu mal schöne Ideen, wie man Umwelt- und Klimaschutz betreiben könnte, wird aber vom größeren Koalitionspartner einfach übergangen. Sie ist zu schwach, um sich zu wehren. Wir können nicht bis zu den nächsten Bundestagswahlen warten. Sie sind erst 2021. Das sind zwei kostbare Jahre in einem sich schließenden Zeitfenster. Selbst wenn wir zwei Jahre warten würden, käme dann eine Partei, die mit 40 € pro Tonne ins Rennen geht. Nach Koalitionsverhandlungen bleiben dann vielleicht 35 € übrig. Warten ist keine Option. Wir müssen jetzt anfangen. Von den 11 Tonnen, die jeder Deutsche im Durchschnitt verbraucht, können wir durch persönliche Bemühungen sicher auf 6 oder 7 runterkommen (zum Beispiel durch Verzicht auf (einige oder alle) Flüge. Durch Verzicht auf das Auto oder zumindest die Reduktion der gefahrenen Strecken. Einschränkung von Konsum, Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie). Der Rest an CO2-Emission ist vor allem dem generellen Energiemix in Deutschland plus fehlender Gebäudeisolierung geschuldet. Ein schneller Kohleausstieg würde hier helfen. Aber den Zeitpunkt kann man als Einzelperson nur durch Demonstrationen, nicht durch Änderung des allgemeinen Verhaltens herbeiführen.

Flüge und Fleisch werden nie verboten werden. Alternative Antriebe/Kraftstoffe für Flugzeuge sind in weiter, weiter Ferne (siehe Diskussion von Power to Liquid). Das heißt, beide werden weiterhin zu unserem großen CO2-Ausstoß beitragen. Ohne Verzicht ist das nicht zu ändern. Ist Verzicht auf Fleisch schlimm? Sollten wir es einfach anders nennen? Gesunde Ernährung vielleicht? Die Deutschen essen viel zu viel Fleisch (1,2 kg pro Woche im Schnitt). Doppelt bis vier Mal so viel, wie die WHO empfiehlt (300–600 g pro Woche). Das heißt, die meisten Deutschen wären ohnehin gut beraten, wenn sie ihre Essgewohnheiten umstellen würden. Und wenn man erst mal damit anfängt, stellt man schnell fest, dass vegetarisches oder veganes Essen ganz lecker ist. Man muss ein bisschen anders kochen. Viele Urlaubsziele kann man mit der Bahn erreichen, statt zu fliegen. Auch hier ist ein Verzicht möglich. Das Schwierigste ist wahrscheinlich das Auto im Alltag. Ob man hier verzichten kann, hängt davon ab, wo man lebt. In der Stadt braucht man keins. Wie beim Essen: Es ist sogar gesünder, wenn man Rad fährt. Carsharing reicht für die wenigen Fälle, in denen es dann doch nicht ohne geht.

Also: Ja, wir müssen verzichten, und wenn wir es nicht schaffen, dann muss man uns Dinge verbieten. Wir sollten schnell mit dem Verzichten anfangen.

The plane would have flown anyway

Time and again, when it comes to flight waivers, I hear the argument: “The plane flies anyway with or without me.” I heard it for the first time at a parents’ evening, which was about the final ride in the tenth grade. Naples and Zinnowitz were available. Now the argument also appears in discussions of Scientist4Future, namely by scientists who do not fly themselves, who spend a large part of their lives with actions against airport expansion and aircraft noise. There has to be something about this argument. I think it doesn’t work and here’s why:

Infrastructure function of flights

Statement: If we do not use short-haul flights, this will be of no use, because the feeder flights have an infrastructure function and the airlines will continue to fly, so that their customers do not compete.

Answer: That is partly true. I also flew to Hong Kong via London. But there is much more air traffic to London than would be important for the feeder function. I talked to a concert-goer about common musical interests and she told me enthusiastically about XY, which unfortunately would only play in London this year. She therefore flew to the concert. The same holds for Paris.

Here are the flights British Airways offers to London:

British Airways Berlin-London flight for 16 Sep. 2019

The flights are partly at the same time, at times at a distance of 45 minutes. These are the flights of only one airline! (There are also two Eurowings services, seven from Easyjet and four from Ryanair) If flights were uneconomical, the airlines would join forces, as has already happened with the Star Alliance, Sky Team and OneWorld Allience.

And there are examples of airline bankruptcy because of inefficiency. There are no longer connections from Berlin to Hamburg because there is a very fast ICE connection. Working through my flights, I found tickets from 1994. I flew to Helsinki via Hamburg. Madness. into the plane, up, down, waited a bit until the Hamburgers had got off and boarded, then on. Today you can still fly there, but then you fly via Stuttgart or Cologne:

Query for flights Berlin-Hamburg on 16.09.2019

In 2015, four airlines suspended flights to Russia due to a lack of profitability. So there are examples.

Start/Land lots would be used differently

Statement: The slots are very valuable for the airlines. If they cease a route, they would lose the slot, so they “would rather fly popcorn around than give up the slot.”

Answer: Yes, airlines do. AirBerlin has been doing it for years. I have a colleague who bought a ticket Berlin-Salzburg for 3 € plus taxes. His flights were repeatedly cancelled. He then spent a night in the hotel, because the flight would have been too costly for the airline. It would have been so expensive that they preferred to pay the passengers one night at the hotel. In the end, AirBerlin went bust. Because of popcorn, so to speak.

It is true that if all short-haul flights were cancelled and there were long-haul flights in all slots instead, we would end up worse off. To do so, however, there would have to be growth in long-haul flights. The aviation industry is also predicting this. However, if we do not use short- and long-haul flights, voluntarily or because they are taxed at 180€/tonne of CO2, there will be no growth.

Parallel reasoning in other areas

If this argument were to work, then any change in consumer behavior would have to be pointless. In the same way, one could argue: “The chicken in the freezer was already dead. Therefore I can eat it. Otherwise someone else would eat it.” But the chicken is reared and slaughtered because there is a certain need in the population. As a farmer and as a wholesaler and as a retailer, you can estimate how many chickens you can bring to the man. If no one buys chickens, no more will be produced.

Example Sweden: Flygskam

In Sweden, the number of flights fell by 9% between March last year and this year. This shows that a social rethink can be successful.

Conclusion

“The plane would have flown anyway” does not work as an argument. We simply have to avoid flights whenever possible.

Das Flugzeug wäre eh geflogen

Immer wieder höre ich, wenn es um Flugverzicht geht, das Argument: “Das Flugzeug fliegt doch auch ohne mich.” Ich habe es zum ersten Mal auf einem Elternabend gehört, bei dem es um die Abschlussfahrt in der zehnten Klasse ging. Zur Auswahl standen Neapel und Zinnowitz. Nun taucht das Argument auch in Diskussionen der Scientist4Future auf und zwar von WissenschaftlerInnen, die selbst nicht fliegen, die einen großen Teil ihrer Lebenszeit mit Aktionen gegen Flughafenausbau und Fluglärm verbringen. Irgendwas muss dran sein an diesem Argument. Ich finde, dass es nicht funktioniert und here is why:

Infrastrukturfunktion von Flügen

Aussage: Wenn wir auf Kurzstreckenflüge verzichten, bringt das nichts, weil die Zubringerflüge eine Infrastrukturfunktion haben und die Fluglinien weiter fliegen werden, schon damit ihre KundInnen nicht zur Konkurrenz gehen.

Antwort: Das ist zum Teil richtig. Ich bin auch über London nach Hongkong geflogen. Aber es gibt viel mehr Flugverkehr nach London als für die Zubringerfunktion wichtig wäre. Ich habe mit einer Konzertbesucherin über gemeinsame Musikinteressen gesprochen und sie erzählte mir begeistert von XY, die aber leider in diesem Jahr nur in London spielen würde. Sie ist deshalb zum Konzert geflogen. Genauso Paris.

Hier sind die Flüge, die British Airways nach London anbietet:

Flugangebot British Airways Berlin–London für den 16 Sep. 2019

Die Flüge sind teilweise zum gleichen Zeitpunkt, zeitweise in einem Abstand von 45 Minuten. Das sind die Flüge von nur einer Airline! (Außerdem gibt es noch zwei Verbindungen von Eurowings, sieben von Easyjet und vier von Ryanair) Würden Flüge unwirtschaftlich, würden sich die Airlines zusammenschließen, so wie es ja bei der Star Alliance, Sky Team und OneWorld Allience schon geschehen ist.

Und es gibt Beispiele für die Einstellung von Fluglinien wegen Unwirtschaftlichkeit. Verbindungen von Berlin nach Hamburg gibt es nicht mehr, weil es eine sehr schnelle ICE-Verbindung gibt. Bei der Aufarbeitung meiner Flüge sind mir Tickets von 1994 untergekommen. Ich bin nach Helsinki über Hamburg geflogen. Irrsinn. Flugzeug rein, hoch, runter, bisschen gewartet, bis die Hamburger aus- und eingestiegen waren, dann weiter. Heute kann man immer noch dorthin fliegen, fliegt dann aber über Stuttgart oder Köln:

Abfrage zu Flügen Berlin–Hamburg am 16.09.2019

2015 haben vier Fluggesellschaften Flüge nach Russland wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt. 2019 wurden die Flugverbindungen von Berlin nach Karlsruhe, Nürnberg und Saarbrücken eingestellt. Es gibt also Beispiele.

Start-/Landeslots würden anders genutzt

Aussage: Die Slots sind für die Fluglinien sehr wertvoll. Wenn sie eine Route einstellen würden, würden sie den Slot verlieren, weshalb sie “lieber Popcorn durch die Gegend fliegen, als den Slot aufzugeben”.

Antwort: Ja, das machen Fluglinien. AirBerlin hat es uns jahrelang vorgemacht. Ich habe einen Kollegen, der ein Ticket Berlin-Salzburg für 3 € plus Steuern gekauft hat. Seine Flüge wurden wiederholt gecancelt. Er hat dann eine Nacht im Hotel verbracht, weil sich der Flug für die Airline eben nicht gelohnt hätte. Es wäre so teuer gewesen, dass sie lieber den Passagieren eine Nacht im Hotel bezahlt haben. Letztendlich ist AirBerlin Pleite gegangen. Wegen Popcorn sozusagen.

Es ist wahr: Wenn alle Kurzstreckenflüge entfallen würden und es statt dessen in allen Slots Langstreckenflüge geben würde, dann wären wir letztendlich schlechter dran. Dazu müsste es aber ein Wachstum in den Langstreckenflügen geben. Das wird ja auch von der Luftfahrtindustrie so prognostiziert. Wenn wir auf Kurz- und Langstreckenflüge verzichten, freiwillig oder weil die mit 180€/Tonne CO2 besteuert werden, wird es aber kein Wachstum geben.

Parallele Argumentation in anderen Bereichen

Wenn diese Argumentation funktionieren würde, dann müsste ja jede Änderung im Konsumverhalten sinnlos sein. Genauso könnte man ja argumentieren: “Das Huhn im Tiefkühlregal war eh schon tot. Dann kann ich es auch essen. Sonst würde es halt jemand anders essen.” Das Huhn wird aber aufgezogen und geschlachtet, weil es einen gewissen Bedarf in der Bevölkerung gibt. Man kann als Bauer und als Großhändler und als Einzelhändler abschätzen, wie viele Hühner man an den Mann bringen kann. Wenn keiner mehr Hühner kauft, werden auch keine mehr produziert.

Beispiel Schweden: Flygskam

In Schweden ist die Anzahl der Flüge zwischen Januar und September um 3% gesunken. Das zeigt, dass ein gesellschaftliches Umdenken erfolgreich sein kann.

Schlussfolgerung

“Das Flugzeug wäre eh geflogen” funktioniert nicht als Argument. Wir müssen Flüge einfach vermeiden, wann immer das möglich ist.

Die Gründe für unser Versagen in der Klimakrise: Gehirnstruktur und Technologiegläubigkeit oder Bis zum Hals in der Scheiße und keine Straßenbahn in Sicht

Auf der Mailing-Liste der Scientists For Future Berlin/Brandenburg wunderte sich der Geograph Prof. Dr. Cristoph Schröder darüber, warum so lange nichts passiert ist, warum einige erst jetzt aufwachen und andere immer nocht schlafen:

Nicht falsch verstehen, mir sind alle recht, die sich jetzt endlich bewegen, inklusive mir selbst. Peinlich – und das gilt für mich persönlich auch, obwohl ich seit 1986 von den Gefahren des Klimawandels weiß und seit 1993 dazu forsche – ist es trotzdem. Und warum brauchen wir eine schwedische Jugendliche, um uns in die Gänge zu kriegen?

Prof. Dr. Cristoph Schneider, interne EMail-Diskussion S4F-BB (Danke für die Zitier-Erlaubnis)

Der Neurobiologe Dr. Sébastien Bohler hat dafür eine wissenschaftliche Erklärung: Unsere Gehirne sind so gebaut: Macht, Sex, Essen, Faulheit werden belohnt:

Die riesige Großhirnrinde des Homo sapiens, die ihm immer mehr Möglichkeiten verschaffte, hat sich in den Dienst eines Zwerges gestellt, der sich an Macht, Sex, Essen, Faulheit und seinem Ego berauscht.

Dr. Sébastien Bohler, Konsumverzicht: Bewusster leben, Spektrum, 29.07.2019

Dazu kommt Technologiegläubigkeit gepaart mit Verdrängung (Terror-Management). Mein Chef hat mir mal die Geschichte erzählt, dass um 1850 jemand ausgerechnet hat, dass, wenn der Droschkenverkehr weiter so zunimmt, New York bis zu drei Meter hoch in Pferdescheiße versinken wird. Aber dann kamen die elektrischen Straßenbahnen, S-Bahn, U-Bahn.

Jetzt wachen die Leute auf, weil wir in der Scheiße sitzen. Noch nicht drei Meter, aber bis zum Hals. Leider ist keine Straßenbahn in Sicht (Fliegen wird wahrscheinlich noch bis 2060 schlecht sein, Fleisch lässt sich nicht in dem Mengen künstlich herstellen, die vertilgt werden, die E-Mobilität steckt in den Kinderschuhen und ist ohnehin keine Lösung). Es hilft also wohl vorerst nur, die Anzahl der Pferdekutschen zu reduzieren.

Sébastien Bohler hat auch Vorschläge, wie das mit der Reduktion trotz unserer Gehirnstruktur funktionieren kann. Wir können uns selbst ändern und bewusster leben. Er erklärt die Rosinen-Übung dazu.

Auch im zwischenmenschlichen Bereich kann weniger mehr sein. Anstatt die Zahl der Freunde auf Facebook zu mehren, können wir in die Qualität dieser Beziehungen investieren. Wir lassen uns weismachen, wir bräuchten zu unserem Glück ein Auto, das mindestens so luxuriös und leistungsstark ist wie das der Nachbarn. Doch wir haben die Wahl: die Werbebotschaften für bare Münze zu nehmen und immer mehr zu konsumieren – oder uns am Fahren eines altmodischen Autos zu erfreuen und an Freundschaften, in denen es nicht darum geht, wer mehr vorzuweisen hat.

Dr. Sébastien Bohler, Konsumverzicht: Bewusster leben, Spektrum, 29.07.2019

Einige der Scientists For Future sind bei climatewednesday.org aktiv und haben dort angefangen, Beispiele von Leuten zu sammeln, die alternativ reisen. Auch das kann Glücksmomente erzeugen, auch wenn es manchmal beschwerlich ist. Also: arbeiten wir an uns.

Disclaimer: Ich bin promovierter Informatiker und liebe Technik und Technologie, unser Merhfamilienhaus ist voll davon: Photovoltaik, Solarthermie, Geothermie und alles gekoppelt in einem komplizierten System.

Hier noch Knorkator zum Thema Fortschritt:

CO2-Kompensation für Flüge

Als eine Art Selbstbestrafung [=;-)] habe ich auf myflightradar24.com eine Liste all meiner Flüge zusammengestellt und so den CO2-Ausstoß herausgefunden, den diese Flüge verursacht haben.

Der so ermittelte CO2-Ausstoß muss mit einem bestimmten Faktor (dem Radiative Forcing Index) multipliziert werden, da der Schaden, der durch das Fliegen angerichtet wird, viel größer ist (Ausstoß der Klimagase in der Atmosphäre in großer Höhe, Wolkenbildung usw.). Der IPCC schlägt einen Faktor von 2,7 vor. CO2-Kompensations-Firmen gehen von einem Faktor zwischen 1 und 3 aus. Ich habe diese Flüge mit atmosfair.de kompensiert. Die unabhängige Stiftung Warentest testete mehrere Kompenationsfirmen und atmosfair war der Gewinner. Wenn Sie genaue Flugdaten haben, können Sie Ihre Flüge über dieses Portal kompensieren. Ich habe eine Pauschalkompensation von 86,9 Tonnen CO2 gemacht:

Kompensationszertifikat von atmosfair: Ich habe mich entschieden, Projekte in Nigeria, Indien und Kenia zu unterstützen

So weit so gut. Wer wirklich fliegen muss, sollte zumindest (mit einem entsprechenden Faktor) kompensieren. Wenn Sie nicht fliegen müssen und nur für die Freizeit reisen, sollten Sie aufhören zu fliegen. Ich habe im August 2019 beschlossen, nie mehr zu fliegen und viele andere haben es vorher getan. Kompensieren Sie? Reduzieren Sie das Fliegen? Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Flight compensation

As some sort of self-punishment [=;-)], I put together a list of the flights I ever did on myflightradar24.com and this gave me the CO2 impact I had.

The raw CO2 emission has to be multiplied by the a certain factor (the Radiative Forcing Index), since the damage that is done is much higher when occurring in high in the sky. The IPCC suggests a factor of 2,7. Compensation companies assume a factor between 1 and 3. I compensated these flights with atmosfair.de. The independent tester tested several compensation companies and atmosfair was the winner. If you have exact flight data you can compensate your flight via that portal. I did a lump compensation of 86,9 tons CO2:

Compensation certificate by atmosfair: I chose to support projects in Nigeria, India and Kenia

So far, so good. Those who really have to fly should at least compensate (with an appropriate factor). If you do not have to fly and only travel for leisure consider stop flying. I stopped flying in August 2019 and many others did so before. Do you compensate? Do you reduce flying? Leave comments!