Ist smart-home-Technologie smart?

Bis zum 20.09.2019 habe ich einen täglichen Tipp zum Energiesparen verfasst. Nachdem dann das Klimapäckchen verabschiedet war, habe ich eingesehen, was viele schon vorher gesagt haben: Wir haben ein politisches Problem! Wir können hier und da etwas einsparen und müssen das auch und sollten auch wirklich jede und jeder überlegen, wie wir unsere Leben klimagerecht führen können, aber wichtiger sind die großen politischen Weichenstellungen. Nun möchte ich doch noch einen solchen Energiespar-Post schreiben. Es geht um Smart-Homes, aber wahrscheinlich ist die Geschichte über den Auslöser fürs Schreiben länger als der Smart-Home-Teil.

Online-Werbung

Der konkrete Anlass für diesen Post ist ein Artikel im Satire-Magazin Der Postillon. Im Artikel geht es darum, dass eine Familie ein Kohlekraftwerk im Garten betreiben muss, damit sie die Weihnachtsbeleuchtung betreiben kann. In Werbeanzeigen in diesem Artikel wurden Dinge beworben, die sehr energieintensiv sind. Solche Clashes zwischen Inhalt und Werbung findet man öfter. Zum Beispiel wirbt die Zeit in einem Klimaartikel für Fernreisen.

Reisewerbung in der Zeit: Besucht doch mal die Giraffen! 24.07.2019

Auch Angebote von Billigfliegern findet man in Klimaartikeln.

Werbung für Billigflüge in einem Artikel des Guardian zum Klimawandel.

Die Werbung ist für die Firmen an dieser Stelle rausgeschmissenes Geld. Es ist klar, dass es eine Trennung zwischen Redaktion und Werbung gibt, aber dennoch denke ich (als Computerlinguist), dass man inzwischen in der Lage ist, den Inhalt von Dokumenten automatisch zu erfassen und die Werbung darauf abzustimmen. Im Fall der Zeit-Werbung ist aber die Zeit selbst für die Bewerbung der Zeit-Artikel zu Fernreisen verantwortlich. Nun gut, jetzt zum Postillon.

Kohlekraftwerk im Garten für die Weihnachtsbeleuchtung und für Wäschetrockner

Der Postillon hat einen (satirischen) Artikel über eine Familie veröffentlicht, die ein Kohlekraftwerk im Garten betreibt, weil sonst der Strombedarf für die Weihnachtsbeleuchtung nicht sichergestellt werden kann. Das ist schon mal lustig, aber noch viel lustiger ist, dass in diesem Artikel Werbung für Wäschetrockner geschaltet wird.

Werbung für Wäschetrockner in einem Artikel des Postillons, der satirsich unsinnigen Stromverbrauch anprangert.

Wäschetrockner sind so ziemlich das sinnloseste Gerät im Haushalt. Sie haben einen enormen Energieverbrauch und man kann sehr leicht auf sie verzichten, weil Wäsche auch so trocknet. Im Winter ist das gut für die, die in zu trockenen Neubauwohnungen leben, und im Sommer ist es gut, weil es kühlt (schreibt sogar die Bild-Zeitung). Ich habe Trockner ausführlicher in Wäschetrockner abschaffen diskutiert.

Smart-Home

Was auch im Postillon-Artikel beworben wird, sind Smart-Home-Leuchtmittel.

Smart-Home-Leuchtmittel-Werbung in einem Postillon-Artikel über irrsinnigen Stromverbrauch.

Diese Lampen kann man über das Handy oder Tablet steuern. Sie befinden sich im WLAN und sind jederzeit erreichbar. OK, ich gebe zu, das ist cool. Ich bin ein Nerd. Ich habe mir auch solche Dinger gekauft. Vor nem Jahr oder so. Hey, man kann im Kinderzimmer das Licht ausschalten, ohne hinzugehen. Toll. Ich hatte sowas gekauft, wahrscheinlich sogar genau das beworbene Produkt. Ich hatte es installiert und es funktionierte. Aber dann habe ich nachgedacht (dauert bei mir mitunter etwas länger) und habe festgestellt, dass das kompletter Irrsinn ist. Wieso soll ich in jedem Zimmer Lampen haben, die sich ständig miteinander bzw. mit der Steuereinheit unterhalten. Die müssen ja auch wach sein, wenn ich schlafe. Was für ne Energieverschwendung. Ich habe es dann am nächsten Tag wieder zurückgebracht. Ging zum Glück problemlos, obwohl ich es in einem Laden gekauft hatte.

Es gibt Smart-Home-Anwendungen, die zum Energiesparen beitragen können. Zum Beispiel kann man die Heizung steuern, so dass sie anspringt, wenn Person X sich dem Haus nährt oder sich vom Büro entfernt. Aber noch viel besser wäre es natürlich, wenn man Gebäude so isolieren bzw. konstruieren würde, dass man überhaupt keine Heizung braucht (#Passivhaus). Dann bräuchte man auch diesen Datenoverkill nicht.

Spaß im WLAN

Ich war zur Weihnachtsfeier der Tödlichen Doris. Es ging um ein Reenactment der Platte Das Typische Ding (Spiegel-Rezension). Auf dieser Platte sind die Geräusche von 31 Vibratoren zu hören. Für die Weihnachtsfeier, auf der die Veröffentlichung der japanischen Version gefeiert wurde, war auch eine Expertin zum Thema Vibratoren eingeladen: Katrin Kämpf testet seit Jahren für das L-Mag Vibratoren.

Wolfgang Müller von Die Tödliche Doris und Katrin Kämpf (L-Mag) im Gespräch über Vibratoren, 15.11.2019, Berlin, CC-BY-NC-ND: Stefan Müller

Katrin Kämpf berichtete ausführlich über diverse Modelle, Probleme bei der Handhabung und – und deshalb wird das hier überhaupt er wähnt – Probleme beim Datenschutz. Sie berichtete von einem Modell, das man per Handy steuern kann. Immer wenn man den Vibrator benutzt, ist das Gerät im WLAN sichtbar ….

Kann man mögen, muss man aber nicht. Gleiches gilt auch für Beleuchtung.

Schluss (für dieses Jahr)

Den Postillon-Artikel hatte ich gestern Abend gelesen. Heute früh habe ich beim Schreiben dieses Blog-Eintrags noch einmal nachgeguckt und diese Werbung gesehen:

Werbung der DAK-Krankenkasse mit der Aufforderung, mal Ruhe zu finden.

Das ist die einzige Werbung, die mich in diesem Jahr erreicht hat. Meist arbeite ich ohnehin mit Adblocker oder bezahle, damit ich das Geflacker nicht ertragen muss, und Werbung wie die oben oder Auto-Werbung ist für mich irrelvant.

Aber ja, die Krankenkassenwerbung hat mich erreicht: Heute wird twitter abgeschaltet.

Zusammenfassend kann man sagen:

  • Die Werbetreibenden könnten den Effekt ihrer Werbung erhöhen, wenn sie die Inhaltsanlyse von Dokumenten verbessern würden.
  • Werbung für Flugreisen sollte verboten werden.
  • Das meiste Smart-Home-Zeug ist einfach Energieverschwendung.
  • Manche online-Werbung ist sinnvoll. =:-)

Anhang: Fun with(in) smart homes: Connect the system Crystal!

Ja, ich gebe es zu Vernetzung der Wohnung kann auch Spaß machen. Zum Beispiel hier:

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